Hunde-News KW 37: Zehn Minuten Therapiehund, Wiens Gratis-Registrierung und drei Hunde im Auto
Cortisol bei 73 Schülern, ein Bus, der Hunde registriert, 80.000 Fundhunde im Jahr, die Anhörung im Bundestag, ein Streuner als Hund des Jahres und die echten Fristen der EU-Verordnung – geprüft, datiert, belegt
Zehn Minuten mit einem Therapiehund, und das Stresshormon im Speichel von 73 Schülern sinkt messbar. Das ist die Studie der Woche, und sie hat eine Lücke, die die Autorinnen selbst benennen. Dazu ein Bus, der durch Wien fährt und Hunde gratis registriert, eine Zahl aus deutschen Tierheimen, die erklärt, warum das wichtig ist, eine Anhörung im Bundestag, drei Hunde in Autos und einer im brennenden Dachgeschoss.
Wie jede Ausgabe: Jede Meldung trägt ihr Datum, jede Studie ihre DOI, und was wir nicht belegen konnten, steht nicht drin. Im Nachtrag diesmal die EU-Verordnung, aus der die kursierenden „neuen Hundegesetze 2026“ stammen, mit den echten Fristen aus dem Amtsblatt. Alle Ausgaben liegen im News-Archiv.
Forschung
Zehn Minuten Therapiehund im Klassenzimmer: weniger Cortisol, etwas mehr Zutrauen
Dawn Melzer und ihr Team von der Sacred Heart University in Connecticut haben 75 Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 19 Jahren an zwei Schulen in Connecticut und New York zehn Minuten lang mit zertifizierten Therapiehunden zusammengebracht, zwei bis drei Hunde pro Klassenzimmer, vier bis fünf Jugendliche pro Hund. Vorher und nachher gaben die Jugendlichen Speichel ab und füllten zwei Fragebögen aus: einen zum empfundenen Stress, einen zur Selbstwirksamkeit, also dem Zutrauen, Aufgaben bewältigen zu können.
Das Cortisol im Speichel lag nach den zehn Minuten im Schnitt um 0,056 Mikrogramm je Deziliter niedriger als davor (73 auswertbare Proben, Effektstärke d = 0,55). Der Stress-Fragebogen fiel um 2,12 Punkte auf einer Skala bis 40, die Selbstwirksamkeit stieg um 1,54 Punkte auf einer Skala bis 40, beides kleine Effekte (d = 0,27 und 0,28). Die Autorinnen nennen die Arbeit selbst „preliminary“: Es gab keine Kontrollgruppe, die zehn Minuten ohne Hund im Klassenzimmer saß. Ob Cortisol nicht auch ohne Hund gesunken wäre, weil die Schulstunde vorbei war, kann die Studie nicht sagen. Eine größere Folgestudie mit Kontrollgruppe ist angekündigt.
Quellen: Melzer et al., „Brief therapy dog interactions may increase self-efficacy and lower perceived stress and cortisol in high school students: a preliminary study“, Frontiers in Psychology, DOI 10.3389/fpsyg.2026.1876920 · Connecticut Public, 4. September 2026
Recht und Verwaltung
Ein Bus registriert Hunde gratis, und warum ein Chip allein niemanden nach Hause bringt
Seit dem 8. September und bis zum 31. Oktober fährt ein Bus des Wiener Stadtservice durch alle Bezirke und trägt Hunde kostenlos in die österreichische Heimtierdatenbank ein, gemeinsam mit dem TierQuarTier Wien. Den Hund musst du nicht mitbringen, nur einen Lichtbildausweis und die Chipnummer. Wer den Hund doch dabeihat: Maulkorb und Leine sind Pflicht, gechippt wird im Bus nicht. Neu seit dem Sachkundenachweis vom 1. Juli 2026: Ersthundehalter müssen den Nachweis bei der Registrierung hochladen, also eine Kopie mitnehmen. Bei der ersten Auflage 2023 kamen über 300 Hunde in die Datenbank. Tierschutzstadtrat Jürgen Czernohorszky sagt dazu, die Registrierung könne „entscheidend dafür sein, dass entlaufene Tiere rasch wieder zu ihren Besitzerinnen und Besitzern zurückkehren“. Die Haltestellen stehen auf wien.gv.at.
Warum das mehr ist als Verwaltungsroutine, hat der Deutsche Tierschutzbund am 1. September vorgerechnet: Rund 80.000 Hunde und 150.000 Katzen kommen jedes Jahr in deutsche Tierheime, überwiegend Fundtiere. Viele tragen einen Chip, aber die Nummer ist nirgends hinterlegt. Kerstin Eck, Leiterin des Haustierregisters FINDEFIX: „Ein Fundtier kann nur dann seinem Halter eindeutig zugeordnet werden, wenn die 15-stellige Chipnummer zusammen mit den Kontaktdaten des Halters in einem Haustierregister hinterlegt ist.“ Die Registrierung bei FINDEFIX ist kostenlos.
Quellen: Presse-Service der Stadt Wien, 2. September 2026 · wien.gv.at, Vorgaben für die Hundehaltung · Deutscher Tierschutzbund, 1. September 2026
Anhörung zum Tierschutzgesetz: Kameras im Schlachthof, für Hunde ändert sich nichts
Am Freitag um 8 Uhr hat der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Sachverständige zum Regierungsentwurf für ein geändertes Tierschutzgesetz angehört (Drucksache 21/6809, erste Lesung am 9. Juli). Der Entwurf regelt eine einzige Sache: Schlachthöfe, die mehr als 1.000 Säugetiere oder 150.000 Stück Geflügel im Jahr schlachten, müssen Entladung, Zutrieb, Betäubung und Entblutung per Video aufzeichnen und 30 Tage speichern. Der Deutsche Tierschutzbund nennt das einen „Minimalentwurf“: Die Pflicht treffe rund 230 von etwa 4.000 Schlachtbetrieben. Er fordert, die Novelle für mehr zu nutzen, darunter ein konkretes Qualzuchtverbot, eine Positivliste für Heimtiere, eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen und ein Ende der Anbindehaltung von Rindern.
Für Hundehalter steht in dem Entwurf nichts. Die „neuen Hundegesetze 2026“, die seit Wochen durch Ratgeberseiten laufen, Chippflicht, Qualzuchtregeln, Zuchtauflagen, kommen nicht aus diesem Gesetz, sondern aus der EU-Verordnung, die seit dem 30. August in Kraft ist und deren Fristen unten im Nachtrag stehen.
Quellen: Deutscher Bundestag, Anhörungen der Sitzungswoche 7. bis 11. September 2026 · Bundestag, erste Lesung 9. Juli 2026 · Deutscher Tierschutzbund, 11. September 2026
Aus Deutschland und Österreich
Ein Hund im brennenden Dachgeschoss, zwei im Kofferraum, einer löst die Alarmanlage aus
In Jüchen-Aldenhoven im Rhein-Kreis Neuss schlugen am Abend des 3. September Flammen aus der Dachgaube eines Einfamilienhauses. Beim Innenangriff fand die Feuerwehr einen Hund im Haus, brachte ihn heraus und übergab ihn den Bewohnern. Das Dachgeschoss brannte trotz Drehleiter aus, die Nachlöscharbeiten dauerten bis halb drei in der Nacht.
Am Sonntag darauf, in Loosdorf in Niederösterreich: Eine Frau hatte zwei Hunde im Kofferraum, die Autoschlüssel in einer Tasche, die Tasche im Kofferraum, und der Kofferraum fiel zu. Die Sonne stand auf dem Wagen. Die Freiwillige Feuerwehr Loosdorf öffnete vorsichtig die Beifahrertür, kam an die Zentralverriegelung und holte beide Hunde nach rund 45 Minuten unverletzt heraus. Und am Samstag in Mainz meldeten Passanten am Parkplatz des TSV Schott ein Auto, dessen Alarmanlage nicht aufhörte: Ein Hund saß allein darin und hatte sie mit seinen Bewegungen ausgelöst. Der Wagen war offen, die Feuerwehr stellte eine Tür auf, Polizei und Feuerwehr suchten das Sportgelände ab und ließen durchsagen, der Halter blieb unauffindbar. Der Hund kam ins Tierheim Mainz, ein Zettel im Auto führte den Halter später dorthin. Die Feuerwehr Mainz schreibt dazu den Satz, den jede Wache einmal im Monat schreibt: „Bitte lassen Sie keine Tiere unbeaufsichtigt in einem Fahrzeug.“
Quellen: Feuerwehr Jüchen via emergency-report.de, 3. September 2026 · Fireworld.at, 7. September 2026 · Feuerwehr Mainz via Presseportal, 12. September 2026
Aus der Welt
Canyon: 2021 Streuner in Mississippi, 2026 Hund des Jahres
Die US-Tierschutzorganisation ASPCA hat den Suchhund Canyon zum „Dog of the Year“ 2026 ernannt. Canyon kam 2021 als Streuner ins Tierheim von Hancock County, Mississippi. Ein Hundeführer der Organisation Category 5 K9 sah in ihm den Trieb und die Ruhe, die ein Rettungshund braucht; nach medizinischer Versorgung und Ausbildung bestand er 2023 die Prüfungen der FEMA für die Suche nach menschlichen Überresten und die Flächensuche der International Police Work Dog Association. Heute arbeitet er mit seiner Hundeführerin in Lytle, Texas, für die Texas A&M Task Force 1. Er war bei den Bränden auf Maui, nach Hurrikan Helene und nach der Flut in Texas 2025 im Einsatz, dort laut ASPCA mehr als 90 Tage entlang des Guadalupe River nahe Camp Mystic. Gefeiert wird er am 8. Oktober im Plaza Hotel in New York.
Quellen: ASPCA via PR Newswire, 3. September 2026 · KENS 5 San Antonio
Nachtrag
Die EU-Hundeverordnung steht im Amtsblatt. Die Fristen stehen in Artikel 33
In der Ausgabe der Vorwoche haben wir die Abstimmung des EU-Parlaments vom April aussortiert, weil sie alt war. Inzwischen ist die Verordnung über das Wohlergehen und die Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen fertig: unterzeichnet am 17. Juni, veröffentlicht am 10. August, in Kraft seit dem 30. August 2026. Gelten tut sie trotzdem noch nicht. Artikel 33 sagt: Anwendung ab dem 31. August 2028, mit gestaffelten Ausnahmen bis 2036. Für Privathalter zählt Artikel 20: Alle Hunde und Katzen, auch die von Privatpersonen, müssen mit einem Transponder gekennzeichnet und registriert sein, ab 2028. Die Vorschriften für Zuchtbetriebe, Unterbringung, Gesundheit, Datenbanken und Zulassung kommen später: Gesundheitsanforderungen 2029, das Verbot, Tiere mit „übermäßig ausgeprägten Körpermerkmalen“ zur Zucht einzusetzen, ab 1. Juli 2030, Unterbringung und Datenbank-Details 2031, Zulassungspflicht für größere Zuchtbetriebe 2034. Militär-, Polizei- und Zollhunde sowie Herdenschutzhunde während der Wanderweidezeit sind ausgenommen.
Quellen: Verordnung (EU) 2026/1818, EUR-Lex (ELI) · Volltext deutsch, Artikel 20 und 33
Ein Dackel beißt eine Reinigungskraft, und die Kantonsverwaltung wird hundefrei
Seit dem 1. September dürfen in den Verwaltungsgebäuden des Kantons Schwyz keine privaten Hunde mehr mit ins Büro, nur noch Diensthunde. Anlass war ein Dackel, der im Regierungsgebäude eine Reinigungskraft gebissen hat. Ein Haustierverbot gab es dort seit 2010, nur hatte es sich, so Regierungsrat André Rüegsegger, „an vereinzelten Stellen“ eine tolerante Praxis eingeschlichen. Ausnahmen gibt es jetzt keine mehr, weil „alle Angestellten gleich behandelt werden müssen“.
Quellen: Blick, 1. September 2026 · 20 Minuten, 15. Juli 2026
Was von dieser Woche bleibt
Die Therapiehund-Studie zeigt einen echten, kleinen Effekt und sagt selbst, dass ihr die Kontrollgruppe fehlt. So viel Ehrlichkeit hätten wir uns von den Ratgeberseiten gewünscht, die aus einer Verordnung mit Geltung ab 2028 die „Chippflicht 2026“ machen.
Die eine Sache zum Mitnehmen steckt in Meldung 2: 80.000 Hunde im Jahr landen in deutschen Tierheimen, und bei vielen steht eine Chipnummer im Nacken, zu der niemand eine Adresse kennt. Fünf Minuten am Rechner, und dein Hund gehört nicht dazu.
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Stand: 13. September 2026, Kalenderwoche 37.