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12 schöne Hunde-News aus 2026

Hunde, die Menschen retteten. Menschen, die Hunde retteten. Und ein Spital, das ein Jahr lang plante, damit ein Labrador auf die Intensivstation darf

Wer sich beruflich mit Hunden beschäftigt, gewöhnt sich an einen bestimmten Ton. Hunde tauchen in den Nachrichten meistens dann auf, wenn etwas schiefgegangen ist: ein Beißvorfall, ein Tier im heißen Auto, ein Tierheim, das keine Zwinger mehr frei hat. Man liest das, man nickt bitter, man macht weiter.

Dabei ist das nur die Hälfte des Bildes — und ehrlich gesagt die kleinere. Im selben Zeitraum passiert unentwegt das Gegenteil. Es steht nur seltener groß in der Zeitung, weil ein gutes Ende sich schlechter verkauft als ein schlechtes.

Also haben wir das Jahr 2026 in Deutschland, Österreich und der Schweiz einmal andersherum durchsucht. Herausgekommen sind zwölf Geschichten, die zusammen mehr ergeben als ihre Summe — weil in fast jeder von ihnen dieselbe stille Übereinkunft steckt. 🐾

Diese Übereinkunft ist ungefähr fünfzehntausend Jahre alt und wurde nie aufgeschrieben: Wir passen aufeinander auf. Man merkt selten, dass es sie gibt — bis der Moment kommt, in dem sie zählt. Genau diese Momente haben wir gesammelt, sortiert und an ihren Originalquellen geprüft.

I. Wenn der Hund der Notruf ist 🇨🇭 1. Der Hund kam allein nach Hause · 🇩🇪 2. Louie, halb drei nachts II. Und wenn es umgekehrt ist 🇦🇹 3. Durch den Rauch · 🇦🇹 4. Der Hubschrauber und die Kreuzotter
🇨🇭 5. Zwei Brüder, ein Hund, zehn Meter Fels · 🇩🇪 6. Zwei fremde Hunde finden Lini III. Was ein Hund kann, was kein Gerät kann 🇨🇭 7. Ein Labrador auf der Intensivstation · 🇩🇪 8. Endlich anerkannt IV. Die unspektakulären guten Nachrichten 🇦🇹 9. Erst der Kurs, dann der Welpe · 🇩🇪🇦🇹 10. Fünf neue Hundewiesen V. Und zuletzt, weil es schön ist 🇨🇭 11. Zehn Bernhardiner auf dem Pass · 🇦🇹 12. Hunde am Touchscreen

I. Wenn der Hund der Notruf ist

Zwei Fälle, in denen ein Hund die entscheidende Information trug — einmal, ohne es zu wissen. Einmal, weil er es gelernt hatte.

18. Juni 2026🇨🇭 Montmollin, Kanton Neuenburg

Der Hund kam allein nach Hause

Es ist Sonntagabend, kurz vor zehn, als eine etwa fünfzigjährige Frau im Gebiet Serroue mit ihrem Hund spazieren geht und sich am Knie verletzt. Sie kommt nicht mehr zurück. Es ist Juni, aber nachts wird es im Neuenburger Jura empfindlich kalt.

Was dann passiert, ist die eigentliche Geschichte: Der Hund läuft allein nach Hause. Und die Angehörigen tun das einzig Richtige — sie warten nicht ab, sondern alarmieren sofort die Polizei. Die Suche am Boden mit Patrouillen, Diensthunden und einer Drohne bleibt die ganze Nacht erfolglos. Erst in den frühen Morgenstunden findet der Suchhelikopter der Rega die unterkühlte Frau auf freiem Feld — mit der Wärmebildkamera.

🐾 Der Held ist hier nicht nur der Hund. Er hat niemanden geholt, er ist einfach heimgelaufen. Entscheidend war, dass jemand diese Rückkehr richtig gelesen hat. Ein Hund, der ohne seinen Menschen nach Hause kommt, ist ein Notruf ohne Worte — und der häufigste Fehler ist, ihm erst mal eine Stunde Bedenkzeit zu geben. Wer allein mit Hund unterwegs ist, sollte die Route jemandem sagen. An dieser einen Information hängt, wie groß das Suchgebiet ist.

Quelle: polizeinews.ch

Im Fall von Montmollin war der Hund Zufallsbote. Es geht aber auch anders — dann nämlich, wenn jemand jahrelang genau dafür trainiert hat.

217. Mai 2026🇩🇪 Hasselroth, Hessen

Louie, halb drei nachts

Die Rettungshundestaffel Main-Kinzig wird mitten in der Nacht von der Polizei alarmiert. Ein Mantrailer nimmt zuerst die Spur Richtung Wald auf, doch das Suchgebiet erweist sich als zu groß — also kommen Flächensuchhunde dazu, die nicht einer Einzelspur folgen, sondern ein Gelände nach menschlicher Witterung absuchen.

Gegen 2:30 Uhr findet Hundeführerin Angelika Simon mit ihrem Rettungshund Louie die vermisste Person wohlbehalten in einer Kleingartenanlage. Die Bedingungen, unter denen die Hunde arbeiten, lesen sich unspektakulär und sind es nicht: dichter Bewuchs, Dornen, hüfthohe Brennnesseln, Dunkelheit. Achtzehn Einsatzkräfte waren beteiligt. Es war der siebte Sucherfolg der Staffel innerhalb von sechs Monaten — und wie fast alles in diesem Bereich: ehrenamtlich.

🐾 Falls dich das reizt: Rettungshundestaffeln suchen fast überall Nachwuchs, Mensch und Hund im Doppelpack. Die Voraussetzungen haben wenig mit Stammbaum zu tun und viel mit Ausdauer, Nervenstärke und der Bereitschaft, Jahre in etwas zu stecken, das man hoffentlich nie braucht. Anlaufstellen findest du meist über die örtlichen Hundevereine.

Quelle: Vorsprung online

II. Und wenn es umgekehrt ist

Vier Einsätze, bei denen Menschen erhebliche Mittel bewegt haben, um einen Hund herauszuholen. Man kann daran gut ablesen, welchen Platz Hunde in unseren Gesellschaften inzwischen haben.

324. Mai 2026🇦🇹 Wien-Landstraße

Durch den Rauch

In der Schlachthausgasse brennt eine Wohnung. Eine Frau und ihr Hund sind darin eingeschlossen, das Stiegenhaus ist bereits verraucht — der Fluchtweg also zu.

Feuerwehrleute der Wiener Berufsfeuerwehr gehen unter Atemschutz mit einer Löschleitung vor und holen beide heraus. Parallel werden weitere Bewohner über die Drehleiter und mit Fluchtfiltermasken evakuiert; fünf Personen werden vor Ort betreut, zwei kommen ins Spital. Frau und Hund überleben.

🐾 Ein Gedanke, den man ungern zu Ende denkt: Einsatzkräfte suchen im Rauch nach Menschen. Von einem Hund wissen sie nur, wenn es ihnen jemand sagt — und im Ernstfall ist niemand mehr da, der es sagen könnte. Ein kleiner Aufkleber an der Wohnungstür mit der Zahl der Tiere im Haushalt kostet nichts. Es ist die Art Vorsorge, über die man sich hoffentlich nie freut.

Quelle: feuerwehren.at

44. Juli 2026🇦🇹 Salzkammergut, Oberösterreich

Der Hubschrauber und die Kreuzotter

Ein Ehepaar ist mit seinem Mischling vom Offensee Richtung Rinnerkogel unterwegs — eine Tour, wie sie an einem Julitag Tausende machen. Zwischen Rinnerhütte und Wildensee wird der Hund von einer Kreuzotter gebissen.

Die Pfote schwillt massiv an, der Kreislauf des rund 35 Kilo schweren Tieres bricht ein, er kann sich nicht mehr bewegen. Und damit sind seine Menschen in genau der Lage, die niemand einkalkuliert: mitten im Almgelände, mit einem Hund, den man nicht tragen kann und der nicht mehr laufen wird. Der Polizeihubschrauber „Libelle" fliegt Hund und Besitzer ins Tal, von wo es sofort zum Tierarzt geht.

🐾 Was du über Kreuzottern wissen solltest: Sie ist die einzige Giftschlange, der man in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland realistisch begegnet, und sie ist kein Angreifer — sie beißt, wenn sie bedrängt wird. Ein schnüffelnder Hund, der die Nase in eine Felsspalte steckt, tut genau das. Ein Biss ist für Hunde selten tödlich, aber immer ein Fall für den Tierarzt. Und das Wichtigste, weil es dem Reflex widerspricht: Trag den Hund, statt ihn laufen zu lassen. Bewegung pumpt das Gift schneller durch den Körper. Grundlagen dazu in unseren Erste-Hilfe-Kursen, Tourenideen unter Wandern mit Hund.

Quelle: meinbezirk.at

529. März 2026🇨🇭 Vaferdeau, Kanton Jura

Zwei Brüder, ein Hund, zehn Meter Fels

Zwei Brüder, fünfzehn und elf Jahre alt, verstiegen sich bei anhaltendem Regen auf rutschigem Gelände — am Rand einer rund zehn Meter hohen Felswand, mit ihrem Hund. Ein Nachmittag, der als Abenteuer begann und irgendwann keins mehr war.

Die Polizei sichert zuerst den Jüngeren. Wegen der Absturzgefahr rücken dann Bergrettungsspezialisten aus und seilen den Älteren ab. Der Hund zögert — was ihm niemand verdenken kann — und wird nach Einbruch der Dunkelheit als Letzter geborgen. Alle drei bleiben unverletzt und werden noch vor Ort den Eltern übergeben. Über deren Abend schweigt die Meldung.

Quellen: nau.ch · blue News

63. Juli 2026🇩🇪 Kaufbeuren, Bayern

Zwei fremde Hunde finden Lini

Hündin Lini war in die Wertach gefallen und galt als vermisst. Die Feuerwehren Kaufbeuren und Hirschzell suchten die Ufer ab, fünfundzwanzig Einsatzkräfte, sogar eine Drohneneinheit stieg auf.

Gefunden hat sie am Ende keine Technik. Eine Hundehalterin kam zufällig vorbei, bemerkte die Suchaktion — und ihre beiden Hunde spürten Lini im Wasser auf. Sie zog die Hündin heraus, unverletzt. Der ganze Einsatz hatte knapp eine Stunde gedauert.

🐾 Man kann das als Zufall abtun. Man kann es aber auch so lesen: Zwei Hunde, die niemand dafür ausgebildet hat, taten in fünf Minuten das, wofür fünfundzwanzig Menschen und eine Drohne nicht ausgerüstet waren. Nasen schlagen Kameras. Nach wie vor.

Quelle: wir-sind-kaufbeuren.de

III. Was ein Hund kann, was kein Gerät kann

Rettung ist der sichtbare Teil. Der leisere ist die Frage, was ein Hund an Orten ausrichtet, an denen die Medizin an ihre Grenzen kommt — und was es kostet, ihn dorthin zu lassen.

712. April 2026🇨🇭 Bülach, Kanton Zürich

Ein Labrador auf der Intensivstation

Es gibt wenige Orte, an denen Hygiene so kompromisslos regiert wie auf einer Intensivstation. Umso bemerkenswerter, was das Spital Bülach getan hat: Es lässt als eines der ersten Krankenhäuser der Schweiz einen Therapiehund direkt dorthin — zu den Schwerkranken, ans Bett, ins Bett.

Die 14-jährige Labrador-Hündin Oriana legt sich zu Patienten, die zum Teil nicht mehr sprechen können. Selbstverständlich war das nicht: Rund ein Jahr lang hat das Spital an einem Hygienekonzept gearbeitet — Impfungen, regelmäßige tierärztliche Kontrollen, strikte Sauberkeitsregeln. Ein Jahr Arbeit, damit ein Hund ein Zimmer betreten darf.

Pflegeleiter Stefan Schöne beschreibt, was sie beobachten: „Was wir sehen, ist Entspannung, Freude, Blutdruck der sich reguliert, Herzfrequenz die sich normalisiert." Ein Patient formuliert es unakademischer und vielleicht genauer: „Dann kommt der Hund und lenkt dich ganz anders ab. Dann denkst du wieder positiv."

🐾 Warum das mehr ist als eine rührende Geschichte: Auf einer Intensivstation wird nichts aus Sentimentalität erlaubt. Dass ein Spital ein Jahr investiert, um einen Hund trotzdem hineinzulassen, ist eine ziemlich handfeste Aussage darüber, wie ernst die Wirkung tiergestützter Therapie inzwischen genommen wird. Nicht als Wohlfühlangebot — als Teil der Behandlung.

Quelle: SRF

Was in Bülach freiwillig geschieht, ist woanders ein einklagbares Recht — jedenfalls auf dem Papier. In der Praxis scheiterte es jahrelang an einem Formfehler des Gesetzgebers.

811. Februar 2026🇩🇪 bundesweit

Endlich anerkannt

Stell dir vor, du hast zwei Jahre lang mit deinem Hund trainiert, er kann alles, was er können muss — und du bekommst trotzdem keine Anerkennung. Nicht weil ihr die Prüfung nicht bestehen würdet, sondern weil es die Stelle, die euch prüfen dürfte, schlicht noch nicht gibt.

Genau in dieser Lage steckten seit Jahren viele Mensch-Assistenzhund-Teams in Deutschland. Am 11. Februar 2026 hat das Bundeskabinett eine Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes beschlossen, die diesen Knoten löst. Übergangsweise entfällt die Zulassungspflicht durch eine fachliche Stelle; akkreditierte Prüfer dürfen zertifizieren, auch wenn die Ausbildung in einer noch nicht zugelassenen Einrichtung stattfand — sofern die Qualitätsanforderungen stimmen. Teams, die vor dem 1. Juli 2023 mit der Ausbildung begonnen haben, können die Prüfung nachholen; die Anerkennungsfrist läuft bis Ende 2027.

🐾 Warum daran so viel hängt: Nach § 12e des Behindertengleichstellungsgesetzes darf Menschen mit Behinderung der Zutritt zu öffentlich zugänglichen Anlagen nicht wegen ihres Assistenzhundes verweigert werden — Supermarkt, Arztpraxis, Restaurant. Dieses Recht hängt aber an der Anerkennung. Wer keine hat, steht mit einem perfekt ausgebildeten Hund vor derselben Tür wie vorher und diskutiert mit derselben Person. Der Abschluss im Bundestag wurde für Herbst 2026 erwartet.

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

IV. Die unspektakulären guten Nachrichten

Keine Hubschrauber, keine Tränen. Dafür der Teil, der das Leben von deutlich mehr Hunden verändert als jede Rettungsgeschichte.

9seit 1. Juli 2026🇦🇹 ganz Österreich

Erst der Kurs, dann der Welpe

Seit dem 1. Juli 2026 brauchen alle neuen Hundehalter in Österreich einen bundesweiten Sachkundenachweis. Das Entscheidende steht dabei nicht im Umfang, sondern im Zeitpunkt: Der Theorieteil — vier Einheiten à sechzig Minuten — muss vor der Anschaffung absolviert sein. Der Praxisteil mit dem eigenen Hund folgt innerhalb von zwölf Monaten, sobald er mindestens ein halbes Jahr alt ist.

Dazu kommt eine Regelung mit Zähnen: Auch der Erwerb illegal gehandelter Welpen ist jetzt strafbar, nicht mehr nur der Verkauf. Wer beim dubiosen Händler auf dem Parkplatz kauft, macht sich mitschuldig — und kann sich nicht mehr auf sein Mitleid berufen. Züchter wiederum dürfen nur noch nachweislich gesunde Tiere einsetzen und müssen tierärztliche Diagnostik zu Qualzucht-Risikofaktoren dokumentieren.

🐾 Warum das eine gute Nachricht ist, auch wenn es nach Bürokratie klingt: Der häufigste Weg in ein unglückliches Hundeleben ist keine böse Absicht, sondern eine spontane Entscheidung — das süße Foto, der schnelle Kauf, die Überforderung ein halbes Jahr später. Eine Pflichtschulung vor dem Kauf schiebt genau dort einen Riegel vor. Das Modell stammt übrigens aus Wien, wo die „Hunde-Kunde" seit 2019 läuft.
⚠️ Nicht verwechseln: Das gilt nur in Österreich. In mehreren deutschsprachigen Ratgeber-Blogs kursieren diese Regeln als deutsche Neuerungen — das ist schlicht falsch. In Deutschland gibt es keinen bundesweiten Sachkundenachweis; dort regeln die Länder das sehr unterschiedlich. Was wo gilt, steht in unserem Hunderecht-Hub.

Quelle: Verbrauchergesundheit.gv.at (Bundesministerium)

10Juni & Juli 2026🇩🇪🇦🇹 Berlin, Halle, Niederösterreich

Fünf neue Hundewiesen

In Berlin-Marzahn-Hellersdorf eröffnete am 5. Juli die erste öffentliche Hundeauslauffläche des Bezirks: rund 4.000 m² am Geraer Ring, mit Bänken, Kotbeutelspendern und — praktisch mitgedacht — Schleusen an den Eingängen zum sicheren An- und Ableinen. Bemerkenswert daran ist vor allem, wie lange es gedauert hat: Ausgerechnet der hundereichste Bezirk der Stadt hatte bis dahin keine einzige. Weitere sind in Planung.

Am selben Tag weihte Halle an der Saale seine bereits achtzehnte Hundewiese ein. Interessanter als die Zahl ist das Modell dahinter: Anwohner übernehmen Patenschaften für die Flächen — es war die siebte seit 2025. Und in Niederösterreich kamen im Juni gleich drei Freilaufzonen dazu, in Gablitz, Weinburg und Neulengbach; die Einzäunung in Gablitz kostete 2.000 Euro.

🐾 Das Hallenser Modell ist der eigentlich spannende Teil. Neue Hundewiesen scheitern selten am Bau — Zaun und Bank sind bezahlbar. Sie scheitern an der Pflege danach, wenn das Band durchgeschnitten ist und keiner mehr zuständig sein will. Wenn Anwohner Patenschaften übernehmen, löst das genau dieses Problem. Zum Nachahmen empfohlen. Alle uns bekannten Flächen findest du unter Freilaufgebiete.

Quellen: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf · Hallespektrum · NÖN

V. Und zuletzt, weil es schön ist

Eine sehr alte Tradition und eine sehr neue Frage — beide handeln davon, was wir eigentlich von Hunden wissen.

11Juni 2026🇨🇭 Grosser St. Bernhard, Wallis

Zehn Bernhardiner beziehen ihr Sommerquartier

Mitte Juni kamen zehn Hunde der Fondation Barry im Zwinger des Hospizes auf dem Grossen St. Bernhard an, wo sie den ganzen Sommer verbringen. Das ist keine Marketingaktion für Touristen, sondern die Fortsetzung einer Tradition, die über drei Jahrhunderte zurückreicht — und man kann die Hunde im Sommer tatsächlich oben auf dem Pass antreffen.

Die Bernhardiner sind heute ein seltsamer Fall: weltberühmt für Rettungen, die sie seit Generationen nicht mehr ausführen, und stattdessen in einem Beruf angekommen, den kaum jemand kennt. Allein 2025 absolvierten die Hunde der Stiftung 609 Sozialeinsätze in Spitälern, Pflegeheimen, Schulen und Gefängnissen. Das Barryland in Martigny, der einzige komplett dieser Rasse gewidmete Park der Welt, zählte seit seiner Neueröffnung im Sommer 2025 über 130.000 Besucher; die Stiftung betreut rund 32 Hunde und zieht jährlich etwa zwanzig Welpen auf.

Quellen: Fondation Barry · Fortune

1210. Juni 2026🇦🇹 Wien

Hunde am Touchscreen

Das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Wien hat ausgewertet, wie Touchscreens in der Hundeforschung eingesetzt werden — und stieß dabei auf eine überraschend kleine Zahl: Weltweit gibt es dazu bislang nur vierzehn publizierte Studien.

Das Team um Siqi Yang-Fu, Friederike Range und Tiago Monteiro zeigt, dass Hunde erfolgreich mit Touchscreens arbeiten — und dass die Technik zwei alte Probleme der Verhaltensforschung angeht. Sie reduziert den Einfluss des Versuchsleiters, was bei einer Spezies, die uns notorisch gut liest, kein Detail ist: Hunde erkennen unwillkürliche Hinweise in Blick und Körperhaltung besser als die meisten Menschen. Und sie macht Ergebnisse zwischen Laboren vergleichbar. Als Hürden nennen die Forscher hohe Kosten, nötiges Spezialwissen — und ein sehr hundetypisches Problem: Die Tiere tippen bevorzugt mit der Nase statt mit der Pfote. Erschienen ist die Arbeit in Animal Cognition.

🐾 Kleiner Stolz am Rande: Wien gehört bei der Erforschung von Hundeverhalten und -kognition zur Weltspitze. Wenn dir auffällt, wie viele spannende Hundestudien aus Österreich kommen — das ist kein Zufall.

Quelle: Vetmeduni Wien

Was von zwölf Meldungen bleibt

Liest man diese zwölf Geschichten hintereinander, fällt etwas auf, das in keiner einzelnen davon steht. In Montmollin lief ein Hund nach Hause und löste eine Rettungskette aus. Im Salzkammergut startete ein Polizeihubschrauber, weil ein Mischling nicht mehr laufen konnte. In Bülach hat ein Krankenhaus ein Jahr lang Hygienekonzepte geschrieben, damit ein Labrador auf eine Intensivstation darf.

Diese Vorgänge haben nichts miteinander zu tun — und doch beantworten sie alle dieselbe Frage: Was ist uns dieses Verhältnis wert? Die Antwort fällt inzwischen bemerkenswert eindeutig aus. Wir bewegen für Hunde Ressourcen, die man vor fünfzig Jahren für eine Verschwendung gehalten hätte, und wir tun es ohne große Debatte, weil es uns selbstverständlich vorkommt.

Am schönsten aber ist die Geschichte aus Kaufbeuren, gerade weil sie so klein ist. Fünfundzwanzig Einsatzkräfte, eine Drohne, eine Stunde Suche — und gefunden hat die Hündin am Ende eine zufällig vorbeikommende Spaziergängerin, deren zwei Hunde einfach taten, was Hunde tun. Man kann eine Menge Technik auffahren. Die beste Ausrüstung im Gelände läuft immer noch auf vier Beinen und interessiert sich nicht für Akkulaufzeiten.

📅 Was wir bewusst weggelassen haben. Zwei der schönsten Geschichten, die uns über den Weg liefen, stehen nicht in dieser Liste: der Chihuahua, der seinem Herrchen am Feegletscher aus einer Gletscherspalte half, und der Shiba Inu „Bobby", den die Bergrettung vom Hohen Nock holte. Beide sind aus dem Jahr 2025 — sie kursieren nur beharrlich weiter, als wären sie von gestern. Genau das ist bei Hundegeschichten die Regel und nicht die Ausnahme. Uns waren zwölf geprüfte Meldungen lieber als vierzehn mit zwei Enten darin.
💡 In eigener Sache: Für diesen Rückblick haben wir Deutschland, Österreich und die Schweiz getrennt durchsucht und rund achtzehn Kandidaten gesichtet. Ins Heft geschafft haben es die zwölf, die sich sauber auf 2026 datieren ließen und deren Quelle wir prüfen konnten — von der Pressestelle eines Bezirksamts über SRF bis zur Informationsseite eines Bundesministeriums. Wenn dir eine schöne Hundemeldung aus diesem Jahr fehlt: schreib uns, wir nehmen sie gern in die nächste Ausgabe auf.

Stand: 19. Juli 2026. Alle Meldungen stammen aus dem Jahr 2026 und wurden an der jeweils verlinkten Quelle geprüft. Angaben zu Gesetzesvorhaben geben den Stand zum Redaktionsschluss wieder — das deutsche Verfahren zu den Assistenzhunden war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.

Häufige Fragen

Was tun, wenn der Hund allein ohne seinen Menschen nach Hause kommt?
Das ist ein Notsignal – warte nicht ab. Im Juni 2026 verletzte sich eine Frau bei Montmollin im Kanton Neuenburg beim Abendspaziergang am Knie und konnte nicht mehr zurück. Ihr Hund lief allein nach Hause; die Angehörigen alarmierten sofort die Polizei. Die Bodensuche mit Patrouillen, Diensthunden und Drohne blieb erfolglos, erst der Suchhelikopter der Rega fand die unterkühlte Frau in den frühen Morgenstunden mit einer Wärmebildkamera. Wer allein mit Hund unterwegs ist, sollte die geplante Route jemandem mitteilen – davon hängt ab, wie schnell ein Suchgebiet eingegrenzt werden kann.
Wie gefährlich ist ein Kreuzotternbiss für den Hund?
Ernst, aber selten tödlich – und immer ein Fall für den Tierarzt. Die Kreuzotter ist die einzige Giftschlange, der man in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland realistisch begegnet, und sie beißt nur, wenn sie bedrängt wird. Genau das tut ein schnüffelnder Hund im Felsgelände. Im Juli 2026 wurde im Salzkammergut ein rund 35 Kilo schwerer Mischling gebissen: Die Pfote schwoll massiv an, der Kreislauf brach ein, der Polizeihubschrauber flog ihn ins Tal. Wichtig: Trag den Hund wenn möglich, statt ihn laufen zu lassen – Bewegung beschleunigt die Verteilung des Giftes im Körper.
Braucht man in Deutschland einen Sachkundenachweis für Hunde?
Nein, jedenfalls nicht bundesweit – in Deutschland regeln das die Bundesländer sehr unterschiedlich. Der bundesweite Sachkundenachweis, der seit dem 1. Juli 2026 gilt, ist eine österreichische Regelung. Dort müssen alle neuen Hundehalter den Theorieteil von vier Einheiten bereits vor der Anschaffung des Hundes absolvieren, der Praxisteil folgt innerhalb von zwölf Monaten. Diese Verwechslung kursiert in mehreren Ratgeber-Blogs als angebliche deutsche Neuerung – sie stimmt für Deutschland nicht.
Dürfen Assistenzhunde überall mit hinein?
Nach § 12e des Behindertengleichstellungsgesetzes darf Menschen mit Behinderung der Zutritt zu öffentlich zugänglichen Anlagen nicht wegen ihres Assistenzhundes verweigert werden – vom Supermarkt bis zur Arztpraxis. Dieses Recht hängt allerdings an der offiziellen Anerkennung des Teams, und genau dort klemmte es jahrelang, weil die vorgeschriebenen Zulassungsstellen fehlten. Am 11. Februar 2026 hat das Bundeskabinett eine Gesetzesänderung beschlossen, die das über Übergangsregelungen auflöst: Akkreditierte Prüfer dürfen zertifizieren, und Teams mit Ausbildungsbeginn vor dem 1. Juli 2023 können die Prüfung nachholen. Der Abschluss im Bundestag wurde für Herbst 2026 erwartet.
Wo kann man in der Schweiz Bernhardiner sehen?
Im Sommer auf dem Grossen St. Bernhard und ganzjährig im Barryland in Martigny. Mitte Juni 2026 bezogen zehn Hunde der Fondation Barry wie jedes Jahr ihr Sommerquartier im Zwinger des Hospizes auf dem Pass – eine Tradition, die über drei Jahrhunderte zurückreicht. Das Barryland in Martigny ist der einzige vollständig den Bernhardinern gewidmete Park der Welt und zählte seit seiner Neueröffnung im Sommer 2025 über 130.000 Besucher. Die Stiftung betreut rund 32 Hunde, zieht jährlich etwa 20 Welpen auf, und ihre Hunde absolvierten allein 2025 insgesamt 609 Sozialeinsätze in Spitälern, Pflegeheimen, Schulen und Gefängnissen.

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