Bürohund: Welche Arbeitgeber im DACH-Raum Hunde ins Büro lassen
Nur Unternehmen, die ihre Hunderegelung selbst öffentlich dokumentieren — mit Beleg, Regelwerk und Rechtslage
🐕🦺 Welche Arbeitgeber im DACH-Raum den Hund ins Büro lassen — und was davon wirklich belegt ist
„Bürohund“ steht inzwischen in tausenden Stellenanzeigen. Wer aber wissen will, bei welchen Unternehmen der Hund tatsächlich mitdarf, findet vor allem Listen ohne Beleg: abgeschriebene Ranglisten von 2017, Portale, die Firmen einsortieren, ohne je bei ihnen nachgesehen zu haben, und Siegel, für die Unternehmen schlicht bezahlen.
Wir haben es andersherum gemacht: Aufgenommen ist nur, wer seine Hunderegelung selbst öffentlich dokumentiert — auf der eigenen Karriereseite, im eigenen Unternehmensmagazin, in der eigenen Presseaussendung. Und wir schreiben dazu, was genau dort steht. 🐶
❗ Das Wichtigste vorweg
Es gibt in keinem der drei Länder einen Rechtsanspruch darauf, den eigenen Hund mit zur Arbeit zu bringen. Ob der Hund mitdarf, entscheidet der Arbeitgeber — und diese Entscheidung kann er auch wieder zurücknehmen. Selbst bei den Unternehmen auf dieser Seite gilt die Regelung meist nicht überall: nicht in der Kantine, nicht im Lager, nicht bei Kundenkontakt, oft nur an einzelnen Standorten. Diese Seite ist deshalb eine Orientierung für die Jobsuche — keine Zusage.
🔍 Wie wir geprüft haben
Ein Unternehmen steht nur dann in der ersten Tabelle, wenn seine Hunderegelung auf einer eigenen Quelle des Unternehmens nachlesbar ist. Nennungen in Ratgeberartikeln, Bewertungsportalen oder Sammellisten reichen dafür nicht: Sie geben oft nur weiter, was irgendwo anders stand, und altern schlecht. Bei einer der meistzitierten „Top 10“-Listen zu diesem Thema stellte sich heraus, dass sie aus dem April 2017 stammt und seither unverändert weitergereicht wird.
Wo eine Angabe nur aus zweiter Hand stammt, steht sie in der zweiten Tabelle — mit dem Hinweis, woher sie kommt. Wir haben diese Trennung bewusst sichtbar gelassen, statt beides zu vermischen.
Deutschland — vom Unternehmen selbst dokumentiert
| Arbeitgeber | Was das Unternehmen selbst angibt | Beleg |
|---|---|---|
| Fressnapf Zentrale Krefeld |
„An normalen Tagen sind es täglich etwa 120 Tiere“ in der Zentrale. Die Hunde müssen versichert und geimpft sein, Türschutzgitter verhindern, dass sie allein durchs Gebäude laufen. Waschräume, Kantine und Tagungsräume bleiben tabu, auf dem Gelände gilt Leinenpflicht. Es gibt eine Hundewiese mit kostenlosen Kotbeuteln. Für Mitarbeitende mit Tierhaarallergie sucht das Unternehmen nach Platzlösungen. | fressnapf.de |
| TASSO e. V. Haustierregister |
„Rund 34 Hunde sind bei TASSO als Büroschnauzen ‚gemeldet‘ und begleiten ihre Menschen regelmäßig ins Büro.“ Bürohunde gehören dort seit über 40 Jahren zum Team. Die Anwesenheit wird über ein Workspace-Tool koordiniert — inklusive Buchung des Hundekörbchens. | tasso.net |
| TRIXIE Heimtierbedarf Tarp, Schleswig-Holstein |
„Aus Rücksicht auf Mensch und Tier haben wir verschiedene Regeln aufgestellt, die das Mitbringen von Hunden in vielen Fällen möglich macht.“ Bemerkenswert ist das Patenmodell: Weil die meisten Beschäftigten im Lager arbeiten, wo der Hund nicht sein kann, können sie sich eine Bürokollegin oder einen Bürokollegen als Paten suchen, die den Hund tagsüber betreuen. | trixie.de |
| TUP Stutensee, Baden-Württemberg |
„In der Firma – oder wie wir es nennen: auf dem Campus – dürfen Hunde gerne zur Arbeit mitgebracht werden.“ Bedingungen: verträglich mit Menschen und Tieren, gesund, geimpft und versichert. Die Büros sind mit zwei bis vier Personen klein genug, um sich direkt abzustimmen; direkter Waldzugang für die Runden zwischendurch. | tup.com |
| SCHÖNES LEBEN Gruppe Wohnen und Pflege, u. a. Gotha, Gladbeck, Erftstadt, Wuppertal, Wolfsburg, Neu-Ulm, Berlin |
„Dein Hund ist bei uns nicht nur ein willkommener Begleiter, sondern auch ein kleiner Glücksbringer fürs ganze Team.“ Das Unternehmen nennt seine Bedingungen offen: solide Grunderziehung, Stubenreinheit, ausgeglichenes Wesen, vollständige Impfungen, regelmäßige Entwurmung und eine gültige Hundehaftpflicht. Dazu ein Ruheplatz unter dem Schreibtisch und eine Hundebar an der Rezeption. | schoenes-leben.org |
| xpose360 Online-Marketing-Agentur |
Fünf Bürohunde werden namentlich vorgestellt (Loui, Carlo, Pixel, Bailey, May). Die Regel ist klar formuliert: „die Hunde dürfen nur mit der Erlaubnis der Geschäftsleitung und der Kollegen mit ins Büro kommen“ — dazu keine Ängste oder Allergien im Team und ein Rückzugsort mit Schlafplatz und Wassernapf. Die Agentur nennt für sich Platz 5 in einem kununu-Ranking der hundefreundlichsten Arbeitgeber im DACH-Raum (2020). | xpose360.de |
| pets Premium Tiernahrungshandel |
Sieben Bürohunde werden einzeln vorgestellt (Charlie, Johanna, Finnick, Pauline, Oskar, Alicia, Mali). Die Begründung des Unternehmens ist knapp: „wenn bei uns keine Hunde im Büro erlaubt wären, wo dann?!“ | petspremium.de |
| Swoppen Systems Paderborn |
„Im Swoppen-Team gibt es gleich drei Bürohunde: Buddy und Tinka sind die Hunde von zwei Kolleginnen aus der Marketingabteilung, Wilma gehört dem Geschäftsführer.“ Ein kleines Unternehmen — aber eines, das die Regelung selbst öffentlich beschreibt. | swoppen.com |
| CENTOMO Personalberatung, Raum Stuttgart |
Der Geschäftsführer beziffert es selbst: „Von unseren 15 Mitarbeitern bringen zwei ihre Hunde mit ins Büro.“ Er wurde vom Bewertungsportal kununu zum „hundefreundlichsten Chef im Ländle“ gewählt. Ein gutes Beispiel dafür, dass hundefreundlich nicht heißt, dass das halbe Büro bellt. | centomo.de |
Österreich
| Arbeitgeber | Was das Unternehmen selbst angibt | Beleg |
|---|---|---|
| Wüstenrot Bauspar- und Versicherungsgruppe |
Auf der eigenen Karriereseite: „Bei Wüstenrot sind Bürohunde immer schon herzlich willkommen. Voraussetzung ist, dass sich die Vierbeiner gut in den jeweiligen Teams zurechtfinden und mit der Office-Umgebung klarkommen.“ Eine oft zitierte Zahl von rund 32 Bürohunden stammt allerdings nicht von dieser Seite, sondern aus einer Verbandsübersicht. | wuestenrot.at |
| Mars Austria Wien |
In der eigenen Presseaussendung: In den Wiener Büroräumen dürfen Hunde ihre Besitzer das ganze Jahr über zur Arbeit begleiten. Das Unternehmen empfiehlt anderen Firmen ausdrücklich eine schriftliche Pet Policy. Die Aussendung stammt vom 19.06.2019 — sie ist die älteste Quelle in dieser ersten Tabelle. | ots.at |
| VIER PFOTEN Tierschutzstiftung, Zentrale Wien |
„Auch in vielen unserer VIER PFOTEN Büros sind Hunde willkommen und die Vorteile liegen klar auf der Hand, nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Tiere selbst.“ Die Stiftung nennt bewusst keine Standorte und keine Zahlen — „viele“ heißt hier ausdrücklich nicht „alle“. | vier-pfoten.at |
Schweiz
| Arbeitgeber | Was das Unternehmen selbst angibt | Beleg |
|---|---|---|
| Nestlé Schweiz Büros von Nestlé Purina, La Tour-de-Peilz |
Die durchdachteste Regelung, die uns begegnet ist. Seit 2016 dürfen alle Mitarbeitenden ihren Hund mitbringen — allerdings begrenzt auf die Purina-Büros. Pro Tag sind zwei bis vier Hunde da. Wer einen Hund mitbringen will, muss vorher die Regeln lesen und einen Fragebogen zum Tier ausfüllen, der Hund muss einen Test bestehen. Anschließend gilt: „Sie können im Voraus einen Arbeitsplatz für sich und ihren Begleiter buchen.“ Dazu vier Regeln für alle im Haus — unter anderem: vor dem Streicheln fragen, schlafende Hunde in Ruhe lassen, und keinen Hund ohne Zustimmung der Halterin oder des Halters füttern. | nestle.ch |
Die Schweiz ist in dieser Aufstellung deutlich unterrepräsentiert — nicht, weil dort weniger Hunde im Büro liegen, sondern weil kaum ein Schweizer Unternehmen seine Regelung öffentlich beschreibt. Umfragen kommen dort auf etwa zwei von fünf Berufstätigen mit einem hundefreundlichen Arbeitsplatz. Belegen lässt sich das pro Unternehmen fast nie.
📋 Weitere Nennungen — schwächer belegt
Diese Arbeitgeber werden in Übersichten mit Bürohund geführt, wir haben dazu aber keine eigene Unternehmensquelle gefunden. Wer sich darauf verlassen will, sollte im Bewerbungsgespräch nachfragen.
| Arbeitgeber | Angabe | Woher die Angabe stammt |
|---|---|---|
| Axel Springer | Der wohl bekannteste Fall in Deutschland: eigene Hundebeauftragte, Hunde brauchen einen Hausausweis, den die Halter beantragen. Die Zahlen widersprechen sich je nach Quelle und Jahr — genannt werden rund 70, rund 100 und rund 250 gemeldete Hunde bei täglich 50 bis 80 im Haus. Wir geben deshalb keine Zahl als gesichert aus. | Interviews mit Beschäftigten des Unternehmens beim Bundesverband Bürohund sowie Branchenpresse (2018) |
| New Work SE (XING) | Über 20 Bürohunde bei knapp 1.000 Mitarbeitenden an den Standorten Hamburg, München, Wien, Zürich und Barcelona. | Übersicht des Bundesverbands Bürohund (Unternehmensangabe) |
| Holisticon, sum.cumo, SprintEins, Staffbase | In einer auf kununu-Bewertungen gestützten Zusammenstellung als besonders hundefreundlich geführt; bei Holisticon heißt es, es werde „jede Art von Hund im Büro“ akzeptiert. | Redaktionelle Zusammenstellung, April 2023, auf Basis von Mitarbeiterbewertungen |
| Jimdo, Lurse, Domainfactory, TMP Worldwide Germany, Renner XXL, Technical Office, PraxisPrint, Reiseagentur Strickling, PPA, Hans Schriever, Rathaus Maisach | Werden als Beispielunternehmen mit Bürohund geführt, teils mit Erfahrungsberichten. | Selbstauskünfte gegenüber dem Bundesverband Bürohund |
Worauf du bei solchen Listen achten solltest
- Ein Siegel ist nicht automatisch eine Prüfung. Das Siegel #TeamBürohund des Bundesverbands Bürohund e. V. ist an eine Jahresgebühr geknüpft — für Unternehmen bis 50 Beschäftigte nennt der Verband 297,60 Euro. Beschrieben wird dafür ein Leistungspaket aus Zertifikat, Türhängern, Aufklebern, einem Eintrag auf der Bürohundkarte und der Möglichkeit, Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Eine Prüfung des Betriebs vor Ort beschreibt die Seite nicht. Das entwertet das Siegel nicht — es sagt nur etwas anderes aus, als viele annehmen.
- Ranglisten altern still. Die im Netz bis heute weitergereichte „Top 10 der tierliebsten Arbeitgeber in Deutschland“ trägt das Veröffentlichungsdatum 28. April 2017 und nennt zu den zehn Firmen keinerlei Details zur jeweiligen Regelung. Wer sie zitiert, zitiert einen neun Jahre alten Stand.
- Bewertungsportale messen Wahrnehmung, nicht Regelwerk. Rankings auf Basis von Mitarbeiterbewertungen zeigen, wie viele Beschäftigte ein Häkchen bei „Hunde erlaubt“ gesetzt haben — nicht, ob es eine verbindliche Regelung gibt.
- „Erlaubt“ heißt selten „überall“. Fast jede der oben belegten Regelungen hat Ausnahmen: Kantine, Lager, Besprechungsräume, Kundenkontakt, einzelne Standorte.
⚖️ Die Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Es gibt in allen drei Ländern keinen Anspruch darauf. Der Arbeitgeber entscheidet im Rahmen seines Weisungsrechts, ob Hunde ins Büro dürfen. Eine einmal erteilte Erlaubnis kann grundsätzlich auch wieder eingeschränkt werden, etwa wenn neue Kolleginnen oder Kollegen eine Allergie oder Angst vor Hunden haben.
In Deutschland redet der Betriebsrat mit. Wo es einen Betriebsrat gibt, betrifft eine Bürohundregelung das Verhalten und die Ordnung im Betrieb — ein Bereich, in dem dem Betriebsrat nach dem Betriebsverfassungsgesetz ein Mitbestimmungsrecht zusteht. Deshalb regeln größere Arbeitgeber das Thema häufig in einer Betriebsvereinbarung: Wer haftet für Schäden, wie oft geht der Hund raus, welche Räume bleiben tabu.
Assistenzhunde sind ein anderer Fall — aber nicht so, wie oft behauptet wird. Für Assistenzhunde gibt es in Deutschland seit dem 1. Juli 2021 eine gesetzliche Regelung im Behindertengleichstellungsgesetz, ergänzt um eine Assistenzhundeverordnung, die seit dem 1. März 2023 gilt. Diese Regelung betrifft aber den Zutritt zu Anlagen und Einrichtungen, die für den allgemeinen Publikumsverkehr zugänglich sind — ein Arbeitsplatz gehört typischerweise nicht dazu. Im Arbeitsverhältnis greifen stattdessen die Pflichten des Arbeitgebers gegenüber Menschen mit Behinderung. Wir lesen immer wieder, seit 2022 bestehe ein gesetzlicher Anspruch auf den Assistenzhund am Arbeitsplatz; in dieser Pauschalität stimmt das nicht.
Österreich und die Schweiz handhaben es im Kern gleich: Ohne Erlaubnis des Arbeitgebers kommt der Hund nicht mit. In Österreich empfiehlt die Arbeiterkammer, die Erlaubnis schriftlich geben zu lassen und das Einverständnis der Kolleginnen und Kollegen einzuholen. In der Schweiz gibt es im Arbeitsrecht schlicht keine Regel dazu — die Entscheidung liegt vollständig beim Betrieb.
Wenn du deinen Hund mitnehmen möchtest
- Frag vor der Zusage, nicht danach. Steht „Bürohund“ in der Anzeige, frag im Gespräch konkret nach: an welchem Standort, in welchen Räumen, wie viele Hunde gleichzeitig, und ob es etwas Schriftliches gibt.
- Lass es dir schriftlich geben. Eine mündliche Zusage vom Team überlebt selten einen Vorgesetztenwechsel.
- Rechne mit der Haftpflicht. Mehrere der oben genannten Arbeitgeber verlangen eine gültige Hundehaftpflichtversicherung ausdrücklich — sie ist ohnehin sinnvoll und in einigen Bundesländern Pflicht.
- Denk an die Kolleginnen und Kollegen. Allergien und Angst vor Hunden sind der häufigste Grund, warum eine Regelung wieder gekippt wird. Ein fester Rückzugsort für den Hund und hundefreie Räume nehmen den meisten Streit vorweg.
- Denk an den Hund. Ein Bürotag heißt für ihn: acht Stunden Reizkulisse und Stillliegen. Das ist nicht für jeden Hund ein Gewinn — junge, unsichere oder sehr aktive Hunde tun sich schwer.