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Diese Krankheiten treffen deinen Hund am wahrscheinlichsten

Die zehn häufigsten Diagnosen aus 905.000 Patientenakten – mit den Rassen, die es besonders trifft, und dem, was du dagegen tun kannst

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Teil des Themas Gesundheit & Notfall

🩺 Nicht Magendrehung, nicht Krebs: Was Hunde wirklich zum Tierarzt bringt

Wer an Hundekrankheiten denkt, denkt an die dramatischen. Die Patientenakten erzählen etwas anderes. Das britische Forschungsprogramm VetCompass wertet die elektronischen Akten von Hausarztpraxen aus, für das Jahr 2016 eine Zufallsstichprobe von 22.333 Hunden aus einer Grundgesamtheit von über 905.000. Es ist die größte Auswertung dieser Art, und die Rangliste darin ist unspektakulär, aber sehr klar.

Hier stehen die zehn Diagnosen, die deinen Hund am wahrscheinlichsten treffen, mit den Zahlen, den Rassen, die besonders betroffen sind, und dem, was du dagegen tun kannst. Danach das Kapitel, das in keiner Häufigkeitsliste vorn steht und trotzdem die häufigste Todesursache ist: Krebs. Jede Zahl ist mit der Studie verlinkt.

DiagnoseAnteil der Hunde pro JahrQuelle
Zahnfleischerkrankung (Parodontitis)12,5 %VetCompass 2016
Außenohrentzündung (Otitis externa)7,3 %VetCompass 2016
Übergewicht (in der Akte vermerkt)7,1 %VetCompass 2016
Analbeutel-Probleme4,4 %VetCompass 2013
Arthrose der Gliedmaßen2,5 %VetCompass 2013
Lipom (gutartiger Fettknoten)1,9 %VetCompass 2013
Kreuzbandriss0,6 %VetCompass 2010–2012
Degenerative Mitralklappenerkrankung (diagnostiziert)0,4 %VetCompass 2010–2011
Chronische Nierenerkrankung0,2 bis 0,4 %VetCompass 2010–2011
Schilddrüsenunterfunktion0,2 %VetCompass 2016

Gruppiert man die Diagnosen, führen Zahnprobleme (14,1 %), Hautprobleme (12,6 %) und Magen-Darm-Erkrankungen (10,4 %). Die Prozentwerte sind Ein-Jahres-Prävalenzen: der Anteil der Hunde, bei denen die Diagnose innerhalb eines Jahres in der Akte stand. Die Reihenfolge in diesem Beitrag folgt nicht der Tabelle, sondern dem Lebenslauf eines Hundes: erst das, was jeden trifft, dann das, was mit Rasse und Alter kommt.

1Zahnfleischerkrankung 12,5 % pro Jahr, kleine Rassen weit vorn

Die häufigste Einzeldiagnose überhaupt. Bei 12,5 Prozent aller Hunde stand 2016 eine Parodontitis in der Akte, und die Forscher gehen davon aus, dass das nur der diagnostizierte Teil ist. Je leichter der Hund, desto höher das Risiko: Zwergpudel hatten das Vierfache der Chance eines Mischlings, King Charles Spaniel, Greyhound und Cavalier das Zweieinhalbfache. Kurzköpfige Rassen lagen um ein Viertel höher, Spaniel-Typen um zwei Drittel.

Was das im Maul bedeutet, warum Zahnstein nur unter Narkose abgeht und wie Zähneputzen beim Hund tatsächlich klappt, steht in Zahnpflege und Zahnstein beim Hund.

Was du tun kannst: Zähneputzen ist die einzige Maßnahme mit belegter Wirkung, alles andere ist Beiwerk. Bei Rassen unter zehn Kilo lohnt es sich, damit im Welpenalter anzufangen, solange das Maulöffnen noch ein Spiel ist.

2Ohrenentzündung 7,3 % pro Jahr, Hängeohren fast doppelt so oft

Die Außenohrentzündung ist die zweithäufigste Diagnose, und sie hängt stärker an der Anatomie als an der Pflege. Rassen mit Hängeohren hatten das 1,8-Fache des Risikos von Rassen mit Stehohren. Ganz vorn: Basset Hound (fast das Sechsfache eines Mischlings), Shar Pei, Labradoodle, Beagle und Golden Retriever. Geschützt sind Chihuahua, Border Collie, Yorkshire Terrier und Jack Russell. Designer-Mischungen wie Labradoodle oder Cockapoo lagen insgesamt über den klassischen Mischlingen.

Warum die Entzündung so oft wiederkommt und wann Reinigen mehr schadet als nützt, erklärt Ohrenentzündung beim Hund.

3Übergewicht 7,1 % in der Akte, in Wirklichkeit ein Vielfaches

Übergewicht ist die Diagnose mit der größten Lücke zwischen Akte und Realität. In den Praxisdaten war es bei 7,1 Prozent der Hunde vermerkt, und die Autoren schreiben selbst, dass Tierärzte es systematisch zu selten notieren. Eine Befragung von 3.185 Haltern in zehn europäischen Ländern kam je nach Bewertungsschema auf 6 bis 31 Prozent übergewichtige Hunde nach Körperkondition, und auf 32 bis 69 Prozent nach Körperfettanteil. In einer dänischen Praxisstudie, in der Tierärzte 268 Hunde selbst einstuften, war jeder fünfte zu dick.

Die Risikorassen sind bekannt: Mops (das Dreifache eines Mischlings), Beagle, Golden Retriever und Springer Spaniel. Beim Labrador ist ein Teil des Appetits genetisch: Ein Defekt im POMC-Gen, den etwa jedes achte Allel der Rasse trägt, erhöht Gewicht und Futtermotivation, und er ist bei Assistenzhunden noch häufiger als bei Familienhunden, weil futtermotivierte Hunde leichter zu trainieren sind. Kastration erhöht das Risiko, in der dänischen Studie bei Rüden deutlich, bei Hündinnen nicht.

Warum das oben in der Liste steht: Übergewicht ist der eine Faktor, der in fast jeder weiteren Diagnose dieses Beitrags wieder auftaucht: bei Arthrose, Kreuzband, Bandscheibe und Lipomen. Wer das Gewicht hält, senkt vier Risiken auf einmal.

Was du tun kannst: Rippen müssen mit leichtem Druck fühlbar sein, von oben muss eine Taille sichtbar sein. Nur eine Mahlzeit am Tag erhöhte in der dänischen Studie das Risiko, ebenso Leckerli beim gemeinsamen Entspannen auf dem Sofa. Leckerli gehören in die Tagesration, nicht obendrauf.

4Magen-Darm 10,4 % pro Jahr, beim jungen Hund die Nummer eins

Fasst man Durchfall, Erbrechen und Darmentzündungen zusammen, kommen 10,4 Prozent aller Hunde pro Jahr damit in die Praxis. Für junge Hunde ist es die wichtigste Krankheitsgruppe: Eine Auswertung von 74.556 Todesfällen in nordamerikanischen Tierkliniken zeigt, dass junge Hunde am häufigsten an Magen-Darm- und Infektionskrankheiten sterben, alte dagegen an Tumoren und neurologischen Erkrankungen. Wie klein das Parvovirose-Risiko im Welpenkurs ist, steht in Hundeerziehung: die 10 größten Irrtümer, was bei akutem Durchfall zu tun ist in Durchfall beim Hund.

5Haut und Analbeutel 12,6 % Hautprobleme, 4,4 % Analbeutel, 1,9 % Lipome

Hautprobleme sind als Gruppe die zweithäufigste Diagnose. Zwei Einzelposten sind gut untersucht. Analbeutel-Probleme trafen 4,4 Prozent der Hunde, mit klarer Rassenliste: Cavalier, King Charles Spaniel, Cockapoo, Shih Tzu, Bichon Frisé und Cocker Spaniel lagen über dem Mischling, kurzköpfige Typen hatten das 2,6-Fache der langköpfigen. Das typische „Schlittenfahren“ auf dem Hintern ist meistens genau das, keine Wurmkur-Frage.

Lipome, die weichen, verschieblichen Fettknoten unter der Haut, bekamen 1,9 Prozent aller Hunde in einem Jahr, aber 7,8 Prozent der Weimaraner, 7 Prozent der Dobermänner und gut 5 Prozent der Labradore. Hunde, die schwerer waren als der Durchschnitt ihrer Rasse, hatten das doppelte Risiko. Lipome sind gutartig; jeder neue Knoten gehört trotzdem einmal unter die Nadel, weil man ihn von außen nicht von einem Mastzelltumor unterscheiden kann, dazu unten mehr.

6Arthrose 2,5 % pro Jahr, ein Zehntel des Lebens

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung, und die niedrige Jahreszahl täuscht: 2,5 Prozent pro Jahr, aber wer sie hat, hat sie im Schnitt für 11 Prozent seiner Lebenszeit. Risikofaktoren: Labrador und Golden Retriever, ein Alter über acht Jahren, höheres Gewicht und Kastration. In Großbritannien entspricht das rund 200.000 betroffenen Hunden im Jahr.

Der häufigste akute Vorläufer ist der Kreuzbandriss: 0,6 Prozent pro Jahr, mit Rottweiler, West Highland White Terrier, Golden Retriever, Yorkshire Terrier und Staffordshire Bullterrier vorn. Kastrierte Hündinnen hatten das 2,1-Fache des Risikos unkastrierter, und innerhalb jeder Rasse stieg das Risiko mit dem Gewicht. Zwei Drittel der Fälle wurden operiert.

Was du tun kannst: Gewicht, Gewicht, Gewicht. Dazu gleichmäßige Bewegung statt Wochenend-Marathon, keine Treppen-Sprints im Wachstum und beim Senior rutschfeste Böden. Was Humpeln bedeutet und wann es eilt, steht in der Schnellhilfe Hund humpelt.

7Bandscheibenvorfall Beim Dackel eine Frage der Rückenlänge

Für die meisten Rassen selten, für Dackel, Basset und Pekinesen die entscheidende Diagnose. Eine britische Klinikstudie hat 700 Hunde vermessen und das Verhältnis von Rückenlänge zu Schulterhöhe gegen die Diagnose gerechnet: Bei Zwergdackeln mit einem Verhältnis von 1,1 lag die Wahrscheinlichkeit eines Bandscheibenvorfalls bei 30 Prozent, bei einem Verhältnis von 1,5 bei 68 Prozent. Übergewicht und besonders kleine Körpergröße erhöhten das Risiko zusätzlich.

Was du tun kannst: Bei der Anschaffung auf kurzen Rücken und normale Größe achten, kein „Extra-Zwerg“. Beim Hund selbst: schlank halten, Rampe statt Sofa-Sprung, und plötzliche Schmerzen im Rücken oder wackelige Hinterbeine sind ein Notfall, nicht ein Fall für Abwarten.

8Herz Mitralklappe: 3,5 % mit Geräusch, kleine Hunde doppelt so oft

Die degenerative Mitralklappenerkrankung ist die häufigste Herzerkrankung des Hundes. Diagnostiziert war sie bei 0,36 Prozent der Hunde, aber 3,5 Prozent hatten ein Herzgeräusch, das dazu passt. Hunde unter 20 Kilo hatten etwa das doppelte Risiko, Rüden lagen über Hündinnen. Ein Herzgeräusch beim jährlichen Abhören ist deshalb bei kleinen Hunden ab dem mittleren Alter der Punkt, an dem ein Herzultraschall ansteht.

9Niere und Schilddrüse Selten, aber mit klaren Warnzeichen

Die chronische Nierenerkrankung stand bei 0,2 Prozent der Hunde in der Akte, geschätzt sind knapp 0,4 Prozent betroffen. Sie kommt mit dem Alter, Cocker und Cavalier waren überrepräsentiert, Herzerkrankungen traten oft gleichzeitig auf. Die Warnzeichen sind unscheinbar: Mundgeruch, Gewichtsverlust, mehr Trinken und Pinkeln, Appetitverlust. Die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose lag bei 226 Tagen, deshalb zählt die Früherkennung.

Die Schilddrüsenunterfunktion trifft 0,2 Prozent, aber extrem rassegebunden: Dobermann (das 17-Fache eines Mischlings), Tibet Terrier und Boxer. Sie sieht aus wie Trägheit und Gewichtszunahme trotz gleicher Ration, oft mit Fellproblemen, und ist mit einer Tablette gut behandelbar.

10Alter: Demenz, Tumoren, Lebenserwartung Jeder siebte Hund ab acht Jahren zeigt Demenzsymptome

Die kognitive Dysfunktion, die Hundedemenz, wird fast nie diagnostiziert. In einer Befragung von Haltern älterer Hunde (Durchschnittsalter knapp zwölf Jahre) erfüllten 14,2 Prozent die Kriterien, aber nur 1,9 Prozent hatten die Diagnose vom Tierarzt. Die Häufigkeit stieg exponentiell mit dem Alter. Nächtliche Unruhe, Orientierungslosigkeit in bekannten Räumen, Stubenunreinheit und verändertes Sozialverhalten sind die Zeichen.

Woran Hunde am Ende sterben, zeigt die Auswertung von 5.095 Todesfällen in englischen Praxen: Tumoren waren die häufigste Todesursache, danach Erkrankungen des Bewegungsapparats und des Nervensystems. Die mittlere Lebenserwartung lag bei 12 Jahren, Mischlinge lebten 1,2 Jahre länger als Rassehunde, und mit steigendem Gewicht sank die Lebenserwartung. Die größte Auswertung dazu (584.734 Hunde, 2024) kommt auf 12,5 Jahre im Median. Am kürzesten leben Französische Bulldogge und Englische Bulldogge mit 9,8 Jahren, am längsten Lancashire Heeler mit 15,4, Border Terrier mit 14,2 und Zwergdackel mit 14,0 Jahren. Kurzköpfige Rassen waren in einer Vergleichsstudie für acht von 30 häufigen Erkrankungen anfälliger und nur für zwei geschützt.

Wie du das Alter deines Hundes richtig einordnest, steht in Hundejahre in Menschenjahre, was beim Senior konkret ansteht in der Schnellhilfe Senioren-Hund.

Krebs Nicht die häufigste Diagnose, aber die häufigste Todesursache

In den Praxisdaten taucht Krebs nicht unter den Top-10-Diagnosen auf, weil er sich auf viele Einzeldiagnosen verteilt. Als Todesursache steht er überall vorn. In einer Befragung britischer Rassehundeclubs zu 15.881 Todesfällen war Krebs mit 27 Prozent die häufigste Ursache, vor „Altersschwäche“ mit 18 und Herzerkrankungen mit 11 Prozent. Bei über 350.000 versicherten schwedischen Hunden bis zehn Jahre, also einer jüngeren Population, lag der Tumor mit 18 Prozent knapp vor Unfällen mit 17, gefolgt von Bewegungsapparat (13), Herz (8) und Nervensystem (6 Prozent).

Wie oft Krebs neu auftritt, zeigt das Tumorregister von Genua: rund 100 bösartige Tumoren je 100.000 Rüden und Jahr, aber 272 je 100.000 Hündinnen. Der Unterschied ist fast vollständig der Gesäugekrebs, der bei Hündinnen 70 Prozent aller Krebsdiagnosen ausmachte. Mit dem Alter steigt die Rate steil: Bei Hündinnen zwischen neun und elf Jahren lag sie bei 763 je 100.000.

TumorartAnteil an 63.214 TumordiagnosenBesonders betroffen
Adenom und Adenokarzinom (Drüsentumoren, vor allem Gesäuge)18,1 %Hündinnen; kleine Hunde dreifaches Gesäugetumor-Risiko
Mastzelltumor6,5 %Boxer
Lymphom4,4 %über 12 Jahre, über 30 kg
Melanozytäre Tumoren3,6 %
Fibrom und Fibrosarkom3,4 %
Hämangiom und Hämangiosarkom (Blutgefäßtumor, oft Milz)2,8 %Boxer, Schäferhund-Gruppe, Rüden
Plattenepithelkarzinom2,0 %Schnauzer, Rüden
Osteom und Osteosarkom (Knochen)1,2 %Rottweiler, Dogge, Ridgeback, Hunde über 40 kg

Quelle: Schweizer Hundetumor-Register 1955 bis 2008 (121.963 eingesandte Proben, 63.214 davon Tumoren) für die Anteile und die Rassen der Zeilen 1, 2, 6, 7; Lymphom und Knochen aus den britischen Studien unten. Das Register zählt eingesandte Gewebeproben, also eher Haut- und Gesäugetumoren als Tumoren innerer Organe.

Mastzelltumor. Der häufigste bösartige Hauttumor, und der Grund, warum ein neuer Knoten nicht „Lipom“ heißen darf, bevor jemand mit der Nadel hineingeschaut hat. In englischen Praxen hatten 0,27 Prozent aller Hunde einen Mastzelltumor, beim Boxer waren es 1,95 Prozent, beim Golden Retriever 1,39, beim Weimaraner 0,85. Boxer, Mops und Staffordshire Bullterrier hatten erhöhte Chancen, Schäferhund, Border Collie, Westie, Springer und Cocker verringerte.

Lymphom. Krebs des Lymphsystems, meist zuerst als geschwollene Lymphknoten am Hals bemerkt. In britischen Praxen wurden 63 je 100.000 Hunde pro Jahr neu diagnostiziert; Hunde über zwölf Jahre und über 30 Kilo waren häufiger betroffen. Nur 6 Prozent der Fälle kamen zu einem Spezialisten, was die Autoren als Problem sehen, weil die Untersuchung des Zelltyps über die Prognose entscheidet.

Gesäugetumoren. Bei über 80.000 versicherten schwedischen Hündinnen hatten mit sechs Jahren 1 Prozent, mit acht Jahren 6 Prozent und mit zehn Jahren 13 Prozent mindestens einen Gesäugetumor gemeldet, mit großen Rassenunterschieden: English Springer Spaniel 319 je 10.000 Hundejahre, Collie 5. Die Sterblichkeit lag bei 6 Prozent der Fälle, weil viele Gesäugetumoren gutartig oder operabel sind. Das Schweizer Register fand bei kleinen Hunden ein dreifaches Risiko gegenüber großen. Jeder Knoten in der Gesäugeleiste einer Hündin gehört zum Tierarzt, je früher, desto besser die Prognose.

Knochenkrebs. Der Tumor der Riesenrassen. Eine Fall-Kontroll-Studie mit 1.756 Osteosarkom-Fällen gegen 905.211 Praxishunde fand bei Rottweiler und Deutscher Dogge mehr als das Zehnfache des Risikos eines Mischlings, beim Rhodesian Ridgeback das Elffache. Hunde über 40 Kilo hatten das 45-Fache des Risikos von Hunden unter 10 Kilo; Bichon Frisé, Französische Bulldogge und Cavalier waren praktisch geschützt. Eine plötzliche, nicht besser werdende Lahmheit bei einem großen Hund ab mittlerem Alter wird deshalb geröntgt, nicht abgewartet.

Blutgefäßtumor (Hämangiosarkom). Sitzt meist in Milz oder Herz und fällt oft erst auf, wenn er blutet: plötzliche Schwäche, blasse Schleimhäute, aufgetriebener Bauch. Das Schweizer Register nennt Boxer und die Schäferhund-Gruppe als Risikorassen, Rüden häufiger als Hündinnen. Das ist ein Notfall, kein Fall für den Termin nächste Woche.

Was du tun kannst: Krebs lässt sich beim Hund kaum verhindern, aber früh finden. Einmal im Monat den Hund von der Nase bis zur Rute abtasten und jeden neuen Knoten mit Datum und Größe notieren. Was wächst, was blutet, was nach vier Wochen nicht weg ist, wird punktiert. Ab acht Jahren gehört ein Blutbild zum jährlichen Check, bei Riesenrassen jede neue Lahmheit auf das Röntgenbild, bei Hündinnen die Gesäugeleiste in die Untersuchung. Wo du eine Onkologie-Fachpraxis findest, steht unter Fachtierärzte.

Krebs: Was nach der Diagnose kommt Behandlung und Überlebenszeiten aus den Studien

Die Zahlen unten sind Mediane: die Hälfte der Hunde lebte kürzer, die Hälfte länger, manche sehr viel länger. Sie gelten für Hunde, die in Kliniken behandelt wurden, und sie hängen weniger von der Tumorart ab als vom Grad (wie bösartig die Zellen aussehen) und vom Stadium (wie weit der Tumor gestreut hat). Genau deshalb ist die Gewebeprobe der Schritt, an dem alles hängt.

TumorBehandlungMittlere ÜberlebenszeitStudie
Mastzelltumor, niedriger GradOperationüber 2 Jahre95 Tumoren, 28 Pathologen (2010)
Mastzelltumor, hoher GradOperation, meist plus Chemotherapieunter 4 Monatedieselbe
Lymphomnur Kortison50 Tage109 Hunde (2021)
LymphomChemotherapie (CHOP, 15 Wochen)311 Tage, 98 % sprechen an134 Hunde (2015)
Knochenkrebs (Gliedmaße)Amputation plus Chemotherapie284 Tage470 Hunde (2014)
Hämangiosarkom der MilzMilzentfernung allein1,6 Monate208 Hunde (2015)
GesäugetumorOperation6 % der Fälle tödlich80.000 versicherte Hündinnen (2005)

Mastzelltumor: Der Grad entscheidet über alles. Als 28 Pathologen aus 16 Instituten dieselben 95 Tumoren blind bewerteten, waren sie sich bei den mittleren Graden in weniger als zwei Dritteln der Fälle einig. Das daraus entwickelte zweistufige System trennt sauberer: Hunde mit niedriggradigem Tumor lebten nach der Operation im Median über zwei Jahre, Hunde mit hochgradigem unter vier Monate. Wer die Diagnose bekommt, sollte nach genau dieser Einstufung fragen.

Lymphom: Ohne Chemotherapie Wochen, mit Chemotherapie Monate. In einer Studie an 109 Hunden, die nur Kortison bekamen, lag die mittlere Überlebenszeit bei 50 Tagen. Mit einem 15-wöchigen Chemotherapie-Protokoll sprachen 98 Prozent von 134 Hunden an, die mittlere Überlebenszeit lag bei 311 Tagen, und die Hälfte blieb 176 Tage ohne Rückfall. Heilung ist beim Lymphom die Ausnahme; das Ziel ist ein gutes Jahr. Wie es den Hunden dabei geht, haben Halter in einer Befragung zu 25 Hunden beantwortet: 68 Prozent sahen die Lebensqualität unverändert, 32 Prozent schlechter, aber akzeptabel; 52 Prozent berichteten Nebenwirkungen, 92 Prozent bereuten die Entscheidung nicht. Die Hunde-Chemotherapie ist bewusst niedriger dosiert als beim Menschen, Lebensqualität geht vor Lebenszeit.

Knochenkrebs: Amputation ist der Anfang, nicht das Ende. Bei 470 Hunden, die nach der Amputation Chemotherapie bekamen, lag die mittlere Überlebenszeit bei 284 Tagen, die Zeit ohne Metastasen bei 291 Tagen. Welches der fünf Protokolle, spielte für das Überleben keine Rolle; sechs Zyklen Carboplatin hatten mit 48 Prozent die wenigsten Nebenwirkungen gegenüber 61 bis 76 Prozent bei den anderen. Das Problem ist die Streuung in die Lunge, die bei der Diagnose meist schon unsichtbar begonnen hat.

Hämangiosarkom: Die kürzeste Prognose der Liste. Nach der Milzentfernung allein lebten 154 Hunde im Median 1,6 Monate. Chemotherapie verlängerte das Überleben nur in den ersten vier Monaten messbar, über den gesamten Verlauf gab es keinen Unterschied. Das Stadium bei der Operation war der einzige Faktor, der wirklich zählte. Ehrlich gesagt heißt das: Die Operation stoppt die Blutung und kauft Zeit, die Erkrankung heilt sie selten.

Gesäugetumor: Früh operiert, gute Aussichten. Von 80.000 versicherten Hündinnen mit Gesäugetumor starben 6 Prozent daran. Eine Untersuchung an 90 Hündinnen mit 236 Tumoren zeigt, warum die Zeit zählt: Bösartige Tumoren waren im Schnitt 4,7 Zentimeter groß, gutartige 2,1, die Hündinnen mit bösartigen ein Jahr älter, und zwei Drittel hatten mehr als einen Knoten. Die Autoren sehen einen Übergang von gutartig zu bösartig mit wachsender Größe. Ein Knoten in der Gesäugeleiste wird also nicht beobachtet, sondern entfernt, solange er klein ist.

Was das für die Entscheidung heißt: Drei Fragen an den Tierarzt, bevor du dich entscheidest: Welcher Grad, welches Stadium, und welche mittlere Überlebenszeit hat die Studie für genau diese Kombination gefunden? Eine Antwort wie „unter vier Monate mit, unter zwei Monate ohne Therapie“ ist eine andere Grundlage als „Krebs“. Wo eine Onkologie-Fachpraxis in der Nähe ist, steht unter Fachtierärzte; wann Lebensqualität die Entscheidung bestimmt, in Lebensqualität und Abschied.

Was in der Liste fehlt: Diabetes, Epilepsie, Cushing Selten, aber jeder mit klarem Muster

Diabetes. 0,26 Prozent der Hunde ab drei Jahren hatten 2016 die Diagnose. Unkastrierte Hündinnen hatten das Dreifache des Risikos unkastrierter Rüden, kastrierte Rüden das Doppelte; Border Terrier und West Highland White Terrier waren die Risikorassen, Kortisonbehandlungen, Übergewicht, Bauchspeicheldrüsenentzündung und Cushing die Begleiter. Die Zeichen: viel trinken, viel pinkeln, Hunger bei Gewichtsverlust, trübe Augen. Diabetes ist mit Insulin behandelbar, kastrierte Hunde überlebten nach der Diagnose länger.

Epilepsie. 0,62 Prozent der Hunde hatten eine Epilepsie ohne erkennbare Ursache; Rüden anderthalbmal so oft wie Hündinnen, Border Terrier fast das Dreifache und Deutscher Schäferhund fast das Doppelte eines Mischlings. Ein erster Anfall ist ein Fall für den Tierarzt am selben Tag, auch wenn er nach zwei Minuten vorbei ist.

Cushing (Überfunktion der Nebenniere). 0,28 Prozent der Hunde tragen die Diagnose, der Bichon Frisé hatte das 6,5-Fache des Risikos. Die Zeichen ähneln dem Diabetes und werden deshalb oft für „alt werden“ gehalten: viel trinken, Hängebauch, dünnes Fell, Muskelschwund. Beides klärt ein Bluttest.

Zwei Diagnosen, die in keiner Häufigkeitsliste stehen und trotzdem jeder Halter kennen sollte, haben eigene Beiträge: die Magendrehung bei großen, tiefbrüstigen Rassen und der Hitzschlag, der jeden Hund treffen kann.

Was die Zahlen für dich bedeuten

  • Zähne putzen. Die häufigste Diagnose überhaupt ist vermeidbar, und bei kleinen Rassen ist das Risiko am höchsten.
  • Gewicht halten. Übergewicht steckt hinter Arthrose, Kreuzband, Bandscheibe und Lipomen. Rippen fühlbar, Taille sichtbar.
  • Hängeohren wöchentlich anschauen. Riecht es oder ist es rot, sofort hin, nicht erst reinigen.
  • Rasse kennen. Dackel: Rücken. Labrador: Appetit und Gelenke. Cavalier: Analbeutel und Niere. Dobermann: Schilddrüse. Boxer: Mastzelltumor. Rottweiler und Dogge: Knochenkrebs. Mops: Gewicht.
  • Jeden neuen Knoten punktieren lassen. Ein Mastzelltumor sieht aus wie ein Lipom. Bei Hündinnen die Gesäugeleiste abtasten, bei Riesenrassen jede Lahmheit röntgen.
  • Ab acht Jahren regelmäßig zur Kontrolle, mit Blutbild. Niere, Herz, Diabetes, Cushing und Demenz kündigen sich leise an.
  • Versicherung rechnen. Kreuzband und Bandscheibe sind die teuren Diagnosen; was sich lohnt, steht in Hundekrankenversicherung oder OP-Versicherung.
🩺 Wer einen Tierarzt in der Nähe sucht: In unserem Verzeichnis stehen Tierärzte in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Ort, dazu Fachtierärzte für Kardiologie, Orthopädie und Zahnheilkunde und der Notdienst für den Fall, dass es nicht bis morgen warten kann.
Quellen: O'Neill et al. (2021), Prevalence of commonly diagnosed disorders in UK dogs under primary veterinary care, BMC Veterinary Research · O'Neill et al. (2014), Prevalence of disorders recorded in dogs attending primary-care veterinary practices in England, PLOS ONE · O'Neill et al. (2021), Epidemiology of periodontal disease in dogs, Journal of Small Animal Practice · O'Neill et al. (2021), Frequency and predisposing factors for canine otitis externa, Canine Medicine and Genetics · Pegram et al. (2021), Frequency, breed predisposition and demographic risk factors for overweight status in dogs, Journal of Small Animal Practice · Muñoz-Prieto et al. (2018), European dog owner perceptions of obesity, Scientific Reports · Bjørnvad et al. (2019), Neutering increases the risk of obesity in male dogs but not in bitches, Preventive Veterinary Medicine · Raffan et al. 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September 2026, Krebs-Kapitel und Prognosen ergänzt am selben Tag.

Häufige Fragen

Was ist die häufigste Krankheit beim Hund?
Die Zahnfleischerkrankung (Parodontitis). In der VetCompass-Auswertung von 22.333 zufällig ausgewählten Hunden aus über 905.000 Patientenakten stand sie 2016 bei 12,5 Prozent aller Hunde in der Akte, gefolgt von Außenohrentzündung (7,3 Prozent) und Übergewicht (7,1 Prozent). Fasst man Diagnosen zu Gruppen zusammen, führen Zahnprobleme (14,1 Prozent), Hautprobleme (12,6 Prozent) und Magen-Darm-Erkrankungen (10,4 Prozent).
Welche Hunderassen werden am häufigsten krank?
Das hängt von der Krankheit ab. Zahnfleischerkrankung trifft vor allem kleine Rassen (Zwergpudel mit dem Vierfachen eines Mischlings), Ohrenentzündung Hängeohr-Rassen wie Basset, Beagle und Golden Retriever, Übergewicht Mops, Beagle, Golden Retriever und Labrador, Bandscheibenvorfälle Dackel, Herzklappenerkrankung kleine Hunde, Schilddrüsenunterfunktion den Dobermann, Mastzelltumoren den Boxer, Knochenkrebs Rottweiler und Dogge. Kurzköpfige Rassen waren in einer Vergleichsstudie für acht von 30 häufigen Erkrankungen anfälliger. Mischlinge lebten in englischen Praxisdaten im Schnitt 1,2 Jahre länger als Rassehunde.
Wie alt wird ein Hund im Durchschnitt?
In der größten Auswertung dazu (584.734 Hunde in Großbritannien, 2024) lag der Median bei 12,5 Jahren. Am kürzesten lebten Französische und Englische Bulldogge mit 9,8 Jahren, am längsten Lancashire Heeler mit 15,4, Border Terrier mit 14,2 und Zwergdackel mit 14,0 Jahren. Mit steigendem Körpergewicht sinkt die Lebenserwartung. Die häufigste Todesursache sind Tumoren, danach Erkrankungen des Bewegungsapparats und des Nervensystems.
Wie häufig ist Krebs beim Hund und welche Tumoren sind es?
Krebs ist die häufigste Todesursache: 27 Prozent der 15.881 Todesfälle in einer britischen Rassehunde-Befragung, 18 Prozent bei über 350.000 versicherten schwedischen Hunden bis zehn Jahre. Das Tumorregister von Genua fand rund 100 neue bösartige Tumoren je 100.000 Rüden und 272 je 100.000 Hündinnen pro Jahr; der Unterschied ist der Gesäugekrebs. Im Schweizer Hundetumor-Register (63.214 Tumoren) führen Drüsentumoren (18 Prozent), Mastzelltumoren (6,5), Lymphome (4,4), melanozytäre Tumoren (3,6) und Hämangiosarkome (2,8). Risikorassen: Boxer für Mastzell- und Blutgefäßtumoren, Rottweiler, Dogge und Ridgeback für Knochenkrebs, kleine Hunde für Gesäugetumoren. Jeder neue Knoten wird punktiert, weil ein Mastzelltumor von außen wie ein Lipom aussieht.
Lohnt sich eine Krebsbehandlung beim Hund?
Das hängt von Tumorart, Grad und Stadium ab, und die Studien liefern dafür konkrete Zahlen. Niedriggradige Mastzelltumoren sind nach der Operation meist geheilt (mittlere Überlebenszeit über zwei Jahre), hochgradige nicht (unter vier Monate). Beim Lymphom lebten Hunde mit Kortison allein im Median 50 Tage, mit 15 Wochen Chemotherapie 311 Tage; 68 Prozent der Halter sahen die Lebensqualität während der Chemotherapie unverändert, 92 Prozent bereuten die Entscheidung nicht. Beim Knochenkrebs bringt Amputation plus Chemotherapie im Median 284 Tage, beim Hämangiosarkom der Milz die Operation allein 1,6 Monate. Gesäugetumoren sind früh operiert gut behandelbar, nur 6 Prozent der Fälle enden tödlich. Die drei Fragen an den Tierarzt lauten: Welcher Grad, welches Stadium, welche Überlebenszeit für genau diese Kombination.
Woran erkenne ich, dass mein alter Hund dement wird?
An nächtlicher Unruhe, Orientierungslosigkeit in bekannten Räumen, neuer Stubenunreinheit, verändertem Sozialverhalten und Starren in Ecken oder Wände. In einer Befragung von Haltern älterer Hunde erfüllten 14,2 Prozent die Kriterien der kognitiven Dysfunktion, aber nur 1,9 Prozent hatten die Diagnose vom Tierarzt. Die Häufigkeit steigt exponentiell mit dem Alter. Wer solche Zeichen sieht, sollte sie beim Tierarzt ansprechen, weil Schmerzen, nachlassendes Hören und Sehen oder eine Nierenerkrankung ähnlich aussehen können und behandelbar sind.

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