Ohrenentzündung beim Hund: warum sie immer wiederkommt
Die dritte Otitis im Jahr ist kein Ohrproblem mehr – und warum gesunde Hundeohren seltener gereinigt gehören, als überall steht
Zwei Dinge, die den meisten Ratgebern zu diesem Thema fehlen.
Erstens: Wenn die Ohrenentzündung immer wiederkommt, liegt das Problem meist gar nicht im Ohr. Allergische Grunderkrankungen sind laut Studien die häufigste Ursache wiederkehrender und chronischer Otitis — das Ohr ist dann nur die Stelle, an der es sichtbar wird.
Zweitens: Gesunde Hundeohren müssen in der Regel nicht regelmäßig gereinigt werden. Wer vorsorglich putzt, richtet oft mehr Schaden an als Nutzen.
Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, ein strenger Geruch beim Streicheln: Die Ohrenentzündung — fachlich Otitis externa — gehört zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch. Dieser Beitrag erklärt, woran du sie erkennst, warum sie bei manchen Hunden immer wiederkommt und was du beim Reinigen besser lässt.
2. Warum sie immer wiederkommt
3. Warum das Trommelfell zuerst angesehen wird
4. Ohren reinigen: seltener als gedacht
5. Welche Hunde häufiger betroffen sind
6. Wann zum Tierarzt
1. Woran du sie erkennst
Die Anzeichen sind meist deutlich, werden aber oft als Marotte abgetan, wenn sie einzeln auftreten.
| Zeichen | Worauf zu achten ist |
|---|---|
| Kopfschütteln | häufig, plötzlich, oft nach dem Aufstehen |
| Kratzen am Ohr | bis zu wunden Stellen an Ohrmuschel und Kopf |
| Kopfschiefhaltung | eine Seite hängt tiefer — deutet auf einseitigen Befall |
| Geruch | süßlich-streng, riecht man beim Streicheln |
| Sekret | dunkelbraunes Schmalz, schwarzer oder gelblicher Ausfluss |
| Rötung, Wärme | Ohrmuschel innen gerötet, der Gehörgang wirkt eng |
| Verhalten | reizbar, zieht den Kopf weg, mag nicht am Ohr angefasst werden |
Auffällig ist vor allem der Schmerz: Ein Hund, der sich sonst gern am Kopf kraulen lässt und plötzlich ausweicht, sagt damit etwas.
2. Warum sie immer wiederkommt
Hier liegt der wichtigste Punkt des ganzen Themas. Eine einzelne Ohrenentzündung kann viele Auslöser haben — Ohrmilben, ein Fremdkörper wie eine Granne, Wasser vom Schwimmen. Aber wenn sie immer wiederkehrt, sieht das Bild anders aus.
Daraus folgt etwas Praktisches: Wer die dritte Otitis in einem Jahr nur wieder mit Tropfen behandelt, behandelt jedes Mal das Ergebnis und nie den Grund. Die Frage, die dann gestellt gehört, lautet nicht „welches Mittel", sondern „warum schon wieder". Wenn dein Hund zusätzlich an Pfoten leckt oder sich am Bauch kratzt, führt der Weg über die Haut — dazu haben wir einen eigenen Beitrag: Hund juckt sich: die Ursachen der Reihe nach.
Weitere Auslöser, die abgeklärt werden: Ohrmilben (vor allem bei jungen Hunden), Fremdkörper, Verhornungsstörungen sowie Polypen oder Tumoren im Gehörgang.
3. Warum das Trommelfell zuerst angesehen wird
In der Praxis wird zuerst mit dem Otoskop in den Gehörgang geschaut — und dabei geht es nicht nur um die Rötung, sondern vor allem um eine Frage: Ist das Trommelfell intakt?
Dazu kommt ein Abstrich unter dem Mikroskop: Er zeigt, ob Bakterien, Hefepilze oder Milben im Spiel sind. Das ist wichtig, weil dieselbe äußere Erscheinung ganz unterschiedliche Behandlungen braucht — und weil Hefepilze wie Malassezia hier dasselbe Muster zeigen wie auf der Haut: Sie sind meist Folge, nicht Ursache.
4. Ohren reinigen: seltener als gedacht
„Ohrenpflege gehört zur wöchentlichen Routine" liest man oft. Für die meisten Hunde stimmt das nicht.
Der Gehörgang reinigt sich weitgehend selbst. Wer regelmäßig ohne Anlass putzt, reizt die empfindliche Haut und stört genau das Milieu, das vor Infektionen schützt.
Wattestäbchen: nie
Sie schieben das Sekret tiefer in den Gehörgang statt es herauszuholen, verdichten es dort — und können das Trommelfell verletzen. Der Hunde-Gehörgang ist zudem L-förmig geknickt; was sich anfühlt wie „ich bin gleich am Ende", ist es nicht.
Wenn gereinigt wird, dann mit einem Ohrreiniger, der auf den pH-Wert des Hundeohrs abgestimmt ist, aus der Praxis oder Apotheke. Für die sichtbare Ohrmuschel genügt ein weiches, angefeuchtetes Tuch um den Finger. Alles Tiefere macht die Praxis.
5. Welche Hunde häufiger betroffen sind
Anatomie und Alltag spielen mit hinein:
Hängeohren — Cocker Spaniel, Basset, Labrador und ähnliche: Der Gehörgang wird schlechter belüftet, es bleibt feucht und warm. Starker Haarwuchs im Gehörgang wirkt ähnlich, etwa bei Pudeln und vielen Doodle-Kreuzungen. Hunde, die viel schwimmen, tragen Wasser ein. Und Allergiker — siehe oben — sind die größte Gruppe der Wiederkehrer.
Das heißt nicht, dass diese Hunde zwingend Probleme bekommen. Es heißt, dass bei ihnen die wöchentliche Kontrolle wirklich lohnt.
6. Wann zum Tierarzt
Termin machen bei
- Geruch, Ausfluss oder Rötung — das sind keine Pflegethemen
- Schmerz: Der Hund zieht den Kopf weg oder jault beim Anfassen
- Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsproblemen, unkoordiniertem Gang — das kann auf das Mittel- oder Innenohr deuten und gehört zeitnah abgeklärt
- Wiederholung: die zweite oder dritte Otitis im Jahr — dann nach der Ursache suchen, nicht nur nach Tropfen
- Blut im Ohr oder eine plötzlich prall geschwollene Ohrmuschel (Blutohr durch heftiges Schütteln)
Fazit
Eine einzelne Ohrenentzündung ist ein Ohrproblem. Die dritte ist ein Hautproblem. Wiederkehrende Otitis geht meist auf eine Allergie zurück — wer nur Tropfen gibt, behandelt jedes Mal das Ergebnis.
Nichts ins Ohr, bevor jemand hineingesehen hat. Ob das Trommelfell intakt ist, entscheidet darüber, welche Mittel überhaupt zulässig sind.
Gesunde Ohren brauchen keine Reinigung nach Kalender — nur Kontrolle. Und Wattestäbchen gehören nie hinein: Sie schieben das Sekret tiefer, statt es herauszuholen.