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Ohrenentzündung beim Hund: warum sie immer wiederkommt

Die dritte Otitis im Jahr ist kein Ohrproblem mehr – und warum gesunde Hundeohren seltener gereinigt gehören, als überall steht

Zwei Dinge, die den meisten Ratgebern zu diesem Thema fehlen.

Erstens: Wenn die Ohrenentzündung immer wiederkommt, liegt das Problem meist gar nicht im Ohr. Allergische Grunderkrankungen sind laut Studien die häufigste Ursache wiederkehrender und chronischer Otitis — das Ohr ist dann nur die Stelle, an der es sichtbar wird.

Zweitens: Gesunde Hundeohren müssen in der Regel nicht regelmäßig gereinigt werden. Wer vorsorglich putzt, richtet oft mehr Schaden an als Nutzen.

Kopfschütteln, Kratzen am Ohr, ein strenger Geruch beim Streicheln: Die Ohrenentzündung — fachlich Otitis externa — gehört zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch. Dieser Beitrag erklärt, woran du sie erkennst, warum sie bei manchen Hunden immer wiederkommt und was du beim Reinigen besser lässt.

1. Woran du sie erkennst

Die Anzeichen sind meist deutlich, werden aber oft als Marotte abgetan, wenn sie einzeln auftreten.

ZeichenWorauf zu achten ist
Kopfschüttelnhäufig, plötzlich, oft nach dem Aufstehen
Kratzen am Ohrbis zu wunden Stellen an Ohrmuschel und Kopf
Kopfschiefhaltungeine Seite hängt tiefer — deutet auf einseitigen Befall
Geruchsüßlich-streng, riecht man beim Streicheln
Sekretdunkelbraunes Schmalz, schwarzer oder gelblicher Ausfluss
Rötung, WärmeOhrmuschel innen gerötet, der Gehörgang wirkt eng
Verhaltenreizbar, zieht den Kopf weg, mag nicht am Ohr angefasst werden

Auffällig ist vor allem der Schmerz: Ein Hund, der sich sonst gern am Kopf kraulen lässt und plötzlich ausweicht, sagt damit etwas.

2. Warum sie immer wiederkommt

Hier liegt der wichtigste Punkt des ganzen Themas. Eine einzelne Ohrenentzündung kann viele Auslöser haben — Ohrmilben, ein Fremdkörper wie eine Granne, Wasser vom Schwimmen. Aber wenn sie immer wiederkehrt, sieht das Bild anders aus.

Studien zufolge sind allergische Grunderkrankungen die häufigste Ursache wiederkehrender und chronischer Ohrenentzündungen — Futtermittelallergie und atopische Dermatitis. Das Ohr ist ausgekleidet mit Haut; was der Haut zusetzt, setzt auch dem Gehörgang zu.

Daraus folgt etwas Praktisches: Wer die dritte Otitis in einem Jahr nur wieder mit Tropfen behandelt, behandelt jedes Mal das Ergebnis und nie den Grund. Die Frage, die dann gestellt gehört, lautet nicht „welches Mittel", sondern „warum schon wieder". Wenn dein Hund zusätzlich an Pfoten leckt oder sich am Bauch kratzt, führt der Weg über die Haut — dazu haben wir einen eigenen Beitrag: Hund juckt sich: die Ursachen der Reihe nach.

Weitere Auslöser, die abgeklärt werden: Ohrmilben (vor allem bei jungen Hunden), Fremdkörper, Verhornungsstörungen sowie Polypen oder Tumoren im Gehörgang.

3. Warum das Trommelfell zuerst angesehen wird

In der Praxis wird zuerst mit dem Otoskop in den Gehörgang geschaut — und dabei geht es nicht nur um die Rötung, sondern vor allem um eine Frage: Ist das Trommelfell intakt?

Das entscheidet darüber, welche Mittel überhaupt eingesetzt werden dürfen. Ist das Trommelfell beschädigt, können Reiniger und manche Wirkstoffe ins Mittelohr gelangen und dort Schaden anrichten. Genau deshalb gehört nichts ins Ohr, bevor jemand hineingesehen hat — auch keine Reste aus der letzten Behandlung.

Dazu kommt ein Abstrich unter dem Mikroskop: Er zeigt, ob Bakterien, Hefepilze oder Milben im Spiel sind. Das ist wichtig, weil dieselbe äußere Erscheinung ganz unterschiedliche Behandlungen braucht — und weil Hefepilze wie Malassezia hier dasselbe Muster zeigen wie auf der Haut: Sie sind meist Folge, nicht Ursache.

4. Ohren reinigen: seltener als gedacht

„Ohrenpflege gehört zur wöchentlichen Routine" liest man oft. Für die meisten Hunde stimmt das nicht.

Gesunde Hundeohren müssen in der Regel nicht regelmäßig gereinigt werden. Eine wöchentliche Kontrolle — kurz hineinschauen, riechen — reicht. Gereinigt wird, wenn etwas zu sehen ist, nicht nach Kalender.

Der Gehörgang reinigt sich weitgehend selbst. Wer regelmäßig ohne Anlass putzt, reizt die empfindliche Haut und stört genau das Milieu, das vor Infektionen schützt.

Wattestäbchen: nie

Sie schieben das Sekret tiefer in den Gehörgang statt es herauszuholen, verdichten es dort — und können das Trommelfell verletzen. Der Hunde-Gehörgang ist zudem L-förmig geknickt; was sich anfühlt wie „ich bin gleich am Ende", ist es nicht.

Wenn gereinigt wird, dann mit einem Ohrreiniger, der auf den pH-Wert des Hundeohrs abgestimmt ist, aus der Praxis oder Apotheke. Für die sichtbare Ohrmuschel genügt ein weiches, angefeuchtetes Tuch um den Finger. Alles Tiefere macht die Praxis.

5. Welche Hunde häufiger betroffen sind

Anatomie und Alltag spielen mit hinein:

Hängeohren — Cocker Spaniel, Basset, Labrador und ähnliche: Der Gehörgang wird schlechter belüftet, es bleibt feucht und warm. Starker Haarwuchs im Gehörgang wirkt ähnlich, etwa bei Pudeln und vielen Doodle-Kreuzungen. Hunde, die viel schwimmen, tragen Wasser ein. Und Allergiker — siehe oben — sind die größte Gruppe der Wiederkehrer.

Das heißt nicht, dass diese Hunde zwingend Probleme bekommen. Es heißt, dass bei ihnen die wöchentliche Kontrolle wirklich lohnt.

6. Wann zum Tierarzt

Termin machen bei

  • Geruch, Ausfluss oder Rötung — das sind keine Pflegethemen
  • Schmerz: Der Hund zieht den Kopf weg oder jault beim Anfassen
  • Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsproblemen, unkoordiniertem Gang — das kann auf das Mittel- oder Innenohr deuten und gehört zeitnah abgeklärt
  • Wiederholung: die zweite oder dritte Otitis im Jahr — dann nach der Ursache suchen, nicht nur nach Tropfen
  • Blut im Ohr oder eine plötzlich prall geschwollene Ohrmuschel (Blutohr durch heftiges Schütteln)

Tierarztpraxis in deiner Nähe finden →

Passt zum Thema: Hund juckt sich — dort steht, wie die Ursachensuche bei allergischer Haut abläuft. Dazu Grannen als klassischer Fremdkörper im Sommer und, für den Ernstfall außerhalb der Sprechzeiten, der tierärztliche Notdienst.

Fazit

Eine einzelne Ohrenentzündung ist ein Ohrproblem. Die dritte ist ein Hautproblem. Wiederkehrende Otitis geht meist auf eine Allergie zurück — wer nur Tropfen gibt, behandelt jedes Mal das Ergebnis.

Nichts ins Ohr, bevor jemand hineingesehen hat. Ob das Trommelfell intakt ist, entscheidet darüber, welche Mittel überhaupt zulässig sind.

Gesunde Ohren brauchen keine Reinigung nach Kalender — nur Kontrolle. Und Wattestäbchen gehören nie hinein: Sie schieben das Sekret tiefer, statt es herauszuholen.

Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Ohrenentzündungen sehen äußerlich ähnlich aus, brauchen aber je nach Erreger unterschiedliche Behandlungen — und ohne Blick aufs Trommelfell lässt sich nicht sicher entscheiden, was ins Ohr darf. Wir recherchieren so sorgfältig wie möglich, können Fehler aber nicht vollständig ausschließen.

Häufige Fragen

Warum hat mein Hund immer wieder Ohrenentzündung?
Weil hinter wiederkehrender Otitis meist kein Ohrproblem steckt, sondern ein Hautproblem. Studien zufolge sind allergische Grunderkrankungen – Futtermittelallergie und atopische Dermatitis – die häufigste Ursache wiederkehrender und chronischer Ohrenentzündungen. Der Gehörgang ist mit Haut ausgekleidet; was der Haut zusetzt, setzt auch ihm zu. Wer die dritte Otitis im Jahr wieder nur mit Tropfen behandelt, behandelt jedes Mal das Ergebnis und nie den Grund.
Wie oft muss ich die Ohren meines Hundes reinigen?
Seltener als meist behauptet. Gesunde Hundeohren müssen in der Regel nicht regelmäßig gereinigt werden – der Gehörgang reinigt sich weitgehend selbst. Eine wöchentliche Kontrolle genügt: kurz hineinschauen und riechen. Gereinigt wird, wenn etwas zu sehen ist, nicht nach Kalender. Wer ohne Anlass putzt, reizt die empfindliche Haut und stört das Milieu, das vor Infektionen schützt. Häufiger kontrollieren sollte man bei Hängeohren, starkem Haarwuchs im Gehörgang und bei Hunden, die viel schwimmen.
Darf ich Wattestäbchen für die Hundeohren benutzen?
Nein, nie. Wattestäbchen schieben das Sekret tiefer in den Gehörgang statt es herauszuholen, verdichten es dort und können das Trommelfell verletzen. Der Gehörgang des Hundes ist zudem L-förmig geknickt – was sich anfühlt wie „gleich am Ende“, ist es nicht. Für die sichtbare Ohrmuschel genügt ein weiches, angefeuchtetes Tuch um den Finger; alles Tiefere macht die Praxis mit einem Reiniger, der auf den pH-Wert des Hundeohrs abgestimmt ist.
Kann ich Ohrentropfen einfach selbst geben?
Nicht ohne dass jemand ins Ohr gesehen hat. In der Praxis wird zuerst mit dem Otoskop geprüft, ob das Trommelfell intakt ist – davon hängt ab, welche Mittel überhaupt eingesetzt werden dürfen. Ist es beschädigt, können Reiniger und manche Wirkstoffe ins Mittelohr gelangen und dort Schaden anrichten. Das gilt auch für Reste aus einer früheren Behandlung.
Wann muss ich mit einer Ohrenentzündung zum Tierarzt?
Bei Geruch, Ausfluss oder Rötung – das sind keine Pflegethemen. Ebenso bei Schmerz, wenn der Hund den Kopf wegzieht oder beim Anfassen jault. Zeitnah abgeklärt gehören Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsprobleme oder unkoordinierter Gang, weil das auf Mittel- oder Innenohr deuten kann, sowie Blut im Ohr und eine plötzlich prall geschwollene Ohrmuschel (Blutohr durch heftiges Schütteln). Und spätestens bei der zweiten oder dritten Otitis im Jahr sollte nach der Ursache gesucht werden, nicht nur nach Tropfen.

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