Rottle
Rottweiler × Pudel — Größe, Fell, Pflege & Gesundheit
Rottle = Rottweiler × Pudel. Auch bekannt als Rottiepoo, Rottweiler-Pudel-Mix. Ein Doodle ist keine anerkannte Rasse, sondern ein Mischling — alle Angaben unten sind typische Spannen, keine Garantie. Den großen Überblick über alle Varianten samt Faktencheck findest du im Doodle-Ratgeber.
- 📏 Größe
- ca. 45–68 cm
- ⚖️ Gewicht
- ca. 25–55 kg
- 🧬 Fell
- kurz-wellig bis lockig, oft schwarz-loh gezeichnet
- 🪮 Haaren
- gering bis mittel
- ✂️ Pflege
- 2–3× pro Woche bürsten, Schur alle 8 Wochen
- 🎾 Auslastung
- hoch: 1,5–2 Stunden Bewegung plus Kopfarbeit
- 🐾 Für Anfänger
- nein – Kraft, Schutztrieb und Listenhund-Recht erfordern Erfahrung
- ❤️ Lebenserwartung
- ca. 9–13 Jahre
🐩 Was ist ein Rottle?
Der Rottle kreuzt den Rottweiler mit dem Pudel. Beide Elternteile sind ausgesprochen arbeitsfreudig und lernbereit — das ergibt einen Hund, der Aufgaben braucht und sie sich sonst selbst sucht.
Ein Punkt, den kein anderer Doodle in dieser Form mitbringt: die Rechtslage. Der Rottweiler steht in mehreren deutschen Bundesländern und Schweizer Kantonen auf Rasselisten. Mischlinge mit erkennbarem Rottweiler-Anteil können davon erfasst sein — was das konkret bedeutet, hängt vom Wohnort ab und steht in unserem Hunderecht-Überblick.
Wer diese Frage vor dem Kauf klärt, spart sich später sehr viel Ärger — inklusive Wesenstest, Maulkorbpflicht oder Haltungsverbot.
📜 Herkunft
Der Rottle stammt wie die meisten Doodles aus Nordamerika, wo Rasselisten keine oder eine geringere Rolle spielen. In der DACH-Region ist er entsprechend selten.
Als Mischling ohne Rassestandard gibt es keine verbindlichen Zuchtvorgaben. Gerade beim Rottweiler-Anteil ist das heikel: Die seriöse Rottweiler-Zucht arbeitet mit Wesensprüfungen und Gesundheitsauflagen, die bei Doodle-Verpaarungen regelmäßig entfallen.
📏 Größenvarianten
Rottles liegen meist zwischen 45 und 68 cm bei 25 bis 55 kg. Wurde ein Großpudel verpaart, landet der Hund am oberen Ende; mit einem Kleinpudel wird es deutlich kleiner, dafür unberechenbarer im Körperbau.
Im Wachstum gilt dasselbe wie bei allen großen Doodles: Gelenke schonen, kein Joggen im ersten Lebensjahr, Treppen begrenzen. Der Rottweiler-Anteil bringt eine kräftige, schwere Statur mit, die die Gelenke zusätzlich belastet.
🧬 Fell & Haaren
Der Rottweiler hat kurzes, dichtes Stockhaar mit Unterwolle. In der Kreuzung mit dem Pudel entstehen überwiegend kurz-wellige bis lockige Hunde, oft in der typischen schwarz-lohfarbenen Zeichnung.
- F1: unvorhersehbar — von fast glatt und deutlich haarend bis wellig und haararm ist alles möglich.
- F1b: lockiger, haarärmer, dafür pflegeintensiver.
Die verbreitete Annahme, ein Rottle haare grundsätzlich wenig, stimmt nicht: Die Unterwolle des Rottweilers kann sich durchsetzen.
✂️ Pflegeaufwand
Der Pflegeaufwand ist überschaubar, aber nicht null:
- 2–3× pro Woche bürsten, bei lockigem Fell alle zwei Tage.
- Schur etwa alle 8 Wochen bei lockigen Hunden — siehe Hundesalons.
- Ohren kontrollieren: Hängeohren mit lockigem Haar neigen zu Entzündungen.
- Gewicht im Blick behalten — ein zu schwerer Rottle belastet Hüften und Kreuzbänder erheblich.
🧠 Wesen & Auslastung
Vom Rottweiler kommen Selbstsicherheit, Territorialverhalten und ein ausgeprägter Wille zu arbeiten; vom Pudel Lernfreude, Sensibilität und starker Menschenbezug. Beide Rassen gelten als leichtführig — aber nur mit einem Menschen, der klar und fair führt.
Praktisch heißt das: früh und breit sozialisieren, Besuch und Alltagsreize positiv besetzen, Impulskontrolle üben. Ein Rottle, der nichts zu tun hat, wird unruhig und übernimmt selbst die Verantwortung. Ein Kurs in einer guten Hundeschule ist hier kein Zusatz, sondern Grundlage.
Kopfarbeit ist mindestens so wichtig wie Bewegung: Nasenarbeit, Suchspiele und Trainingseinheiten lasten diesen Hund besser aus als eine zweite Runde um den Block.
🩺 Gesundheit: was aus beiden Linien kommt
🧬 Aus der Pudel-Linie
- Progressive Retinaatrophie (prcd-PRA) — Fortschreitende Netzhautdegeneration, die zuerst zu Nachtblindheit und später zur Erblindung führt. Beim Pudel per Gentest sicher abklärbar, deshalb gehört das Ergebnis beider Elterntiere auf den Tisch.
- Hüftgelenksdysplasie — Fehlentwicklung des Hüftgelenks mit späterer Arthrose; beim Großpudel als Elternteil großer Doodles das wichtigste orthopädische Thema und über eine Röntgenauswertung beurteilbar.
- Idiopathische Epilepsie — Wiederkehrende Krampfanfälle ohne erkennbare andere Ursache, meist mit Beginn im jungen Erwachsenenalter. Es gibt keinen Gentest, wohl aber die Frage an den Züchter nach Anfallsleiden in der Linie.
- Von-Willebrand-Erkrankung Typ 1 — Erbliche Störung der Blutgerinnung, die bei Verletzungen und Operationen zu verlängerten Blutungen führen kann. Beim Pudel ist Typ 1 bekannt und per Gentest überprüfbar.
- Sebadenitis — Entzündliche Erkrankung der Talgdrüsen der Haut mit Schuppen, Haarverlust und stumpfem Fell. Sie tritt beim Pudel gehäuft auf und wird über eine Hautbiopsie diagnostiziert.
🧬 Aus der Linie Rottweiler
- Hüft- und Ellbogendysplasie — Fehlentwicklungen der Gelenke mit späterer Arthrose. Beim Rottweiler sind beide gut dokumentiert und gehören zu den wichtigsten Zuchtausschlusskriterien; Röntgenauswertungen der Elterntiere sind Pflicht.
- Osteosarkom — Bösartiger Knochentumor, der beim Rottweiler deutlich häufiger auftritt als bei den meisten anderen Rassen. Er betrifft oft die Gliedmaßen und zeigt sich zuerst als Lahmheit ohne erkennbaren Unfall.
- Subvalvuläre Aortenstenose — Angeborene Verengung unterhalb der Aortenklappe, die das Herz stark belastet und im Extremfall zum plötzlichen Herztod führen kann. Beim Rottweiler bekannt und über eine Herzuntersuchung erkennbar.
- Juvenile Larynxparalyse und Polyneuropathie (JLPP) — Erbliche Nervenerkrankung mit Kehlkopflähmung, Atemnot und fortschreitender Schwäche der Gliedmaßen, die bereits im Welpenalter beginnt. Beim Rottweiler ist sie per Gentest sicher abklärbar.
- Kreuzbandriss — Riss des vorderen Kreuzbands im Knie, bei kräftigen Rassen eine der häufigsten orthopädischen Operationen. Übergewicht und abruptes Abbremsen erhöhen das Risiko deutlich.
- Entropium — Einwärtsrollen des Lidrandes, wodurch Wimpern auf der Hornhaut scheuern. Die Folge sind chronische Reizungen und Hornhautschäden, die in vielen Fällen operativ korrigiert werden müssen.
🔬 Diese Untersuchungen der Elterntiere solltest du sehen
- Augenuntersuchung beider Elterntiere durch eine Fachtierärztin oder einen Fachtierarzt für Augenheilkunde (Katarakt, Netzhaut)
- prcd-PRA-Gentest beider Elterntiere
- HD- und ED-Röntgenauswertung beider Elterntiere
- JLPP-Gentest der Rottweiler-Seite
- Herzuntersuchung der Rottweiler-Seite (Aortenstenose)
- Auskunft über Tumorerkrankungen und Sterbealter der Vorfahren
Ein Doodle kann Erbkrankheiten beider Elternlinien erben. Dass Mischlinge robuster wären, ist nicht belegt: Bryson et al. (PLoS One 2024, 9.402 Hunde) fanden in 86,6 % der Vergleiche keinen Unterschied zu den Ursprungsrassen — mehr dazu im Doodle-Faktencheck. Entscheidend ist die Gesundheitstestung der Elterntiere. Für Vorsorge und Checks findest du Praxen in unserem Tierarzt-Verzeichnis.
🎯 Für wen passt ein Rottle?
✅ Passt zu dir, wenn …
- du geklärt hast, ob dein Bundesland oder Kanton den Hund als Listenhund führt
- du Erfahrung mit selbstsicheren, arbeitsfreudigen Hunden hast
- du täglich Zeit für Bewegung und echte Kopfarbeit einplanst
- du bereit bist, konsequent und fair zu führen statt zu diskutieren
⛔ Eher nicht, wenn …
- du einen unkomplizierten Familienhund für nebenbei suchst
- Wesenstest, Maulkorbpflicht oder Auflagen für dich nicht infrage kommen
- der Züchter keine Röntgenauswertungen und keinen JLPP-Gentest vorlegt
- niemand im Haushalt Erfahrung mit großen, kräftigen Hunden hat
🔗 Ähnliche Varianten
❓ Häufige Fragen
Ist ein Rottle ein Listenhund?
Das hängt vom Wohnort ab. Der Rottweiler steht in mehreren deutschen Bundesländern und Schweizer Kantonen auf Rasselisten, und viele Regelungen erfassen ausdrücklich auch Mischlinge mit erkennbarem Anteil dieser Rassen. Kläre das vor dem Kauf bei deiner Gemeinde und im Hunderecht-Überblick.
Wie groß wird ein Rottle?
Meist 45 bis 68 cm bei 25 bis 55 kg, je nachdem welcher Pudel verpaart wurde. Da es sich um einen Mischling ohne Standard handelt, streuen Größe und Körperbau auch innerhalb eines Wurfs deutlich. Plane sicherheitshalber am oberen Ende.
Wie viel Auslastung braucht ein Rottle?
Anderthalb bis zwei Stunden Bewegung am Tag plus echte Kopfarbeit. Beide Elternrassen sind Arbeitshunde. Nasenarbeit, Suchspiele und kurze Trainingseinheiten lasten ihn deutlich besser aus als reine Laufstrecke, und ein unausgelasteter Rottle wird schnell unruhig.
Welche Gesundheitsrisiken hat ein Rottle?
Aus der Rottweiler-Linie vor allem Hüft- und Ellbogendysplasie, ein erhöhtes Osteosarkom-Risiko, die subvalvuläre Aortenstenose und die per Gentest abklärbare Nervenerkrankung JLPP. Aus der Pudel-Linie kommen prcd-PRA, Hüftdysplasie, Epilepsie und weitere Punkte dazu.