Schokolade ist giftig für Hunde: ab welcher Menge es gefährlich wird und was du dann tust
Theobromin, Koffein und 17,5 Stunden Halbwertszeit: kritische Mengen je Sorte und Körpergewicht, Symptome, Behandlung und die Zahlen aus zwei Praxisstudien mit 531 Hunden
Teil des Themas Gesundheit & Notfall
🍫 Schokolade ist für Hunde giftig. Wie stark, entscheiden der Kakaoanteil und das Gewicht deines Hundes.
Schokolade enthält Theobromin und Koffein. Ein Hund braucht für den Abbau von Theobromin mehr als doppelt so lange wie ein Mensch. Erste Symptome können laut Merck Veterinary Manual ab 20 Milligramm je Kilo Körpergewicht auftreten, Krampfanfälle ab 60 mg/kg. Eine 100-Gramm-Tafel Zartbitter mit 70 bis 85 Prozent Kakao bringt einen 10-Kilo-Hund auf rund 88 mg/kg. Dieselbe Tafel Milchschokolade ergibt 22 mg/kg.
Unten findest du die kritischen Mengen je Sorte und Gewicht mit der Rechnung dazu, den Verlauf, die Behandlung in der Praxis und die Zahlen aus zwei Praxisstudien mit zusammen 531 Hunden.
🚨 Hund hat Schokolade gefressen: das jetzt tun
- Verpackung sichern. Darauf stehen Sorte, Kakaoanteil und Gesamtgewicht. Nimm sie mit in die Praxis.
- Menge schätzen. Rechne aus, wie viele Gramm fehlen. Bei Kuchen oder Keksen notierst du, wie viele Stücke weg sind.
- Uhrzeit notieren. Ein ausgelöstes Erbrechen bringt laut Merck vor allem in den ersten zwei Stunden etwas.
- Gewicht deines Hundes bereithalten. Die Praxis rechnet damit die Dosis in mg/kg aus.
- Praxis oder Notdienst anrufen, bevor du losfährst: Tierärzte in deiner Nähe · tierärztlicher Notdienst. In der Schweiz verweist Tox Info Suisse bei Tieren zuerst an die Tierarztpraxis; unter 145 gibt die Zentrale Auskunft zur Gefährdung und zu einfachen Notfallmaßnahmen, aus dem Ausland unter +41 44 251 51 51.
- Kein Erbrechen zu Hause auslösen. Salz als Brechmittel empfiehlt die Tiermedizin nicht mehr. Es hat Menschen getötet, zu viel Salz auch Hunde (Belege unten). Die Praxis setzt ein Medikament ein.
- Auch ohne Symptome anrufen. Die Symptome beginnen meist erst 6 bis 12 Stunden nach dem Fressen.
Warum Schokolade Hunde vergiftet Halbwertszeit 17,5 Stunden beim Hund, 7,2 beim Menschen
Kakao stammt aus den gerösteten Samen des Kakaobaums. Die Giftstoffe darin sind zwei Methylxanthine: Theobromin und Koffein. Laut dem Merck Veterinary Manual enthält Schokolade 3- bis 10-mal so viel Theobromin wie Koffein, und beide tragen zur Vergiftung bei.
Der Darm nimmt beide Stoffe schnell auf, das Blut verteilt sie im ganzen Körper. Die Leber baut sie um, ein Teil gelangt mit der Galle zurück in den Darm und geht von dort erneut ins Blut. Beim Hund liegt die Halbwertszeit von Theobromin bei 17,5 Stunden, die von Koffein bei 4,5 Stunden. Einen Tag nach der Schokolade kreist also noch mehr als ein Drittel des Theobromins im Blut. Beim Menschen maßen Pharmakologen an sechs gesunden Männern eine Halbwertszeit von 7,2 Stunden.
Die Methylxanthine besetzen die Adenosin-Rezeptoren der Zellen. Dein Hund wird unruhig, sein Herz schlägt schneller, die Nieren scheiden mehr Harn aus. Zusätzlich strömt mehr Kalzium in die Muskelzellen, Herz und Skelettmuskeln ziehen sich kräftiger zusammen. Schwere Fälle enden laut Merck durch Herzrhythmusstörungen, Überhitzung oder Atemversagen. Der hohe Fettanteil kann bei empfindlichen Hunden obendrein eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen.
Die Niere spielt eine doppelte Rolle. Über den Harn scheidet der Hund Theobromin und seine Abbauprodukte aus. Aus einer vollen Blase holt sich der Körper aber einen Teil zurück; Kliniken legen liegenden Hunden deshalb einen Blasenkatheter. Der vermehrte Harnabsatz kostet Wasser, spät im Verlauf kann das Kalium im Blut sinken und das Herz weiter belasten.
Ab welcher Menge es gefährlich wird 20, 40 und 60 mg/kg als Schwellen
Merck nennt drei Schwellen in Milligramm Methylxanthin je Kilo Körpergewicht. Ab 20 mg/kg können milde Symptome auftreten: Erbrechen, Durchfall, starker Durst. Ab 40 bis 50 mg/kg wirkt die Dosis aufs Herz. Ab 60 mg/kg kommt es zu Krampfanfällen. Die Dosis, an der die Hälfte der Hunde stirbt, liegt bei 100 bis 200 mg/kg. Merck betont, dass schwere Symptome und Todesfälle auch bei niedrigeren Dosen vorkommen und Hunde unterschiedlich empfindlich reagieren.
Wie viel Methylxanthin in einer Sorte steckt, misst das US-Landwirtschaftsministerium in seiner Nährwertdatenbank FoodData Central. Die Werte je 100 Gramm:
| Sorte | Theobromin je 100 g | Koffein je 100 g | Zusammen je Gramm |
|---|---|---|---|
| Milchschokolade | 205 mg | 20 mg | 2,3 mg |
| Zartbitter, 45 bis 59 % Kakao | 493 mg | 43 mg | 5,4 mg |
| Zartbitter, 60 bis 69 % Kakao | 632 mg | 86 mg | 7,2 mg |
| Zartbitter, 70 bis 85 % Kakao | 802 mg | 80 mg | 8,8 mg |
| Backschokolade, ungesüßt | 1.300 mg | 80 mg | 13,8 mg |
| Kakaopulver, ungesüßt | 2.060 mg | 230 mg | 22,9 mg |
| Weiße Schokolade | 0 mg | 0 mg | 0 |
| Kakaoschalen (Gartenmulch) | nur Gesamtwert bei Merck | 9 mg | |
Quelle: USDA FoodData Central, Datensätze SR Legacy 167587, 170271, 170272, 170273, 167568, 169593 und 167571, Kakaoschalen nach Merck Veterinary Manual. Merck gibt ähnliche Gesamtwerte an: Milchschokolade 2,3 mg/g, halbbittere und dunkle Schokolade 5,3 bis 5,6 mg/g, Backschokolade 15,5 mg/g, Kakaopulver 28,5 mg/g, weiße Schokolade 0,04 mg/g. Der Gehalt schwankt mit der Kakaobohne und dem Hersteller. Für eine Tafel mit 65 % Kakao rechnet Merck mit etwa 10 mg/g, die USDA-Messung für 60 bis 69 % liegt bei 7,2 mg/g. Bei hochprozentiger Schokolade kann die kritische Menge also unter den Werten der nächsten Tabelle liegen.
Aus Schwelle, Gewicht und Gehalt ergibt sich die Menge, ab der es kritisch wird. Die erste Zahl in jeder Zelle steht für 20 mg/kg (erste Symptome möglich), die zweite für 40 mg/kg (Herzwirkung möglich).
| Sorte | Hund 5 kg | Hund 10 kg | Hund 20 kg | Hund 30 kg |
|---|---|---|---|---|
| Milchschokolade | 40 g · 85 g | 85 g · 175 g | 175 g · 355 g | 265 g · 530 g |
| Zartbitter 45 bis 59 % | 18 g · 35 g | 35 g · 70 g | 70 g · 145 g | 110 g · 220 g |
| Zartbitter 60 bis 69 % | 13 g · 25 g | 25 g · 55 g | 55 g · 110 g | 80 g · 165 g |
| Zartbitter 70 bis 85 % | 11 g · 20 g | 20 g · 45 g | 45 g · 90 g | 65 g · 135 g |
| Backschokolade, ungesüßt | 7 g · 14 g | 14 g · 25 g | 25 g · 55 g | 40 g · 85 g |
| Kakaopulver, ungesüßt | 4 g · 8 g | 8 g · 17 g | 17 g · 30 g | 25 g · 50 g |
| Kakaoschalen-Mulch | 11 g · 20 g | 20 g · 40 g | 40 g · 85 g | 65 g · 130 g |
| Weiße Schokolade | kein nennenswerter Methylxanthin-Gehalt, aber viel Fett und Zucker | |||
Rechnung: Menge in Gramm = Schwelle (mg/kg) × Körpergewicht (kg) ÷ Methylxanthin je Gramm. Beispiel 10-Kilo-Hund und Milchschokolade: 20 × 10 ÷ 2,25 = 89 g. Alle Werte sind abgerundet, unter 20 g auf ganze Gramm, darüber auf 5 g. Die Krampfschwelle von 60 mg/kg liegt beim Dreifachen der ersten Zahl. Die Tabelle dient zur Orientierung. Hunde reagieren unterschiedlich empfindlich, und Herstellerangaben weichen von den Datenbankwerten ab. Ruf bei jeder Menge die Praxis an und lass sie rechnen.
Schokoladenkuchen enthält weniger Theobromin je Gramm, dein Hund frisst davon aber schnell ein ganzes Stück. In einer Messung an 79 US-Lebensmitteln lagen Schokoladen-Backwaren im Mittel bei 1,47 mg Theobromin je Gramm. Frisst ein 10-Kilo-Hund 200 Gramm Schokokuchen, kommt er auf etwa 29 mg/kg und liegt damit über der ersten Schwelle. Selbst gebackener Kuchen mit viel Zartbitter oder Kakao kann mehr enthalten.
Kakaoschalen landen als Mulch in Gartenbeeten. Merck berichtet von Todesfällen bei Tieren, die solchen Mulch gefressen haben. Bei manchen Produkten entfernt der Hersteller die Methylxanthine vorher; ohne diese Angabe gilt der Wert aus der Tabelle.
Symptome und Verlauf Beginn nach 6 bis 12 Stunden, schwere Fälle bis 72 Stunden
Laut Merck zeigen sich die ersten Zeichen meist 6 bis 12 Stunden nach dem Fressen: starker Durst, Erbrechen, Durchfall, ein aufgeblähter Bauch und Unruhe. Danach können folgen: Überaktivität, häufiges Pinkeln, Taumeln, steife Muskeln, Zittern und Krampfanfälle. Am Herz misst die Praxis Herzrasen und Extraschläge, dazu kommen schnelle Atmung, bläuliche Schleimhäute, hoher Blutdruck und Fieber. Im späten Verlauf kann der Puls langsam werden, der Blutdruck abfallen, im schlimmsten Fall fällt der Hund ins Koma. Schwere Fälle dauern bis zu 72 Stunden.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt eine Auswertung der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin. Von 156 Hunden, die zwischen 2015 und 2019 nach Schokolade vorgestellt wurden, hatten 112 keine Symptome. 44 Hunde zeigten Vergiftungszeichen, 28 davon hatten dunkle oder Bitterschokolade gefressen. Die Halter kamen wegen Unruhe (33 Hunde), Zittern (22), Erbrechen (21), Hecheln (11), vermehrtem Trinken und Pinkeln (7) und Durchfall (2). Die Tierärzte fanden am häufigsten Herzrasen (28), schnelle Atmung (14), Überhitzung (10) und Austrocknung (7). Im Blut von 34 untersuchten Hunden fielen erhöhtes Laktat (23) und niedriges Kalium (16) auf.
Zittern hat beim Hund viele Ursachen. Welche davon ein Notfall sind, steht in Warum zittert mein Hund?
Was in der Praxis passiert Erbrechen nur früh, Aktivkohle mit Vorsicht
Einen gängigen Labortest auf eine Schokoladenvergiftung gibt es laut Merck nicht. Die Diagnose stützt sich auf die Vorgeschichte und die Symptome. Deine Angaben zu Sorte, Menge und Uhrzeit sind deshalb die Rechengrundlage für alles Weitere.
Erbrechen auslösen. Merck empfiehlt es bei Hunden ohne Symptome, wenn die Schokolade frisch im Magen liegt, als Beispiel nennt das Manual zwei Stunden. Die Praxis gibt dafür ein Medikament. In einer Beobachtungsstudie des ASPCA-Giftnotrufs erbrachen 59 von 63 Hunden nach dem Wirkstoff Apomorphin, im Mittel nach 18,6 Minuten. Geschätzt kam gut die Hälfte des Gefressenen wieder heraus. Liegt die berechnete Dosis unter 20 mg/kg, kann die Praxis auf das Erbrechen verzichten.
Kein Salz. Kochsalz als Brechmittel gilt im Merck Veterinary Manual als nicht mehr empfohlen. Das Hamburger Institut für Rechtsmedizin hat drei Menschen obduziert, die nach Salz als Brechmittel an einer Hirnschwellung starben, mit Natriumwerten bis 245 mmol/l. Bei einem Airedale Terrier führte eine Knetmasse aus Salz und Mehl zu Dauerkrämpfen und zum Tod. Gleiches gilt für andere Hausmittel: Das Erbrechen gehört in die Praxis.
Aktivkohle. Sie bindet Giftstoffe im Darm. Bei Schokolade wägt die Praxis ab, denn die harntreibenden Methylxanthine und der hohe Zuckergehalt trocknen den Hund laut Merck aus, und nach Aktivkohle kann das Natrium im Blut steigen. Merck rät, Aktivkohle bei Schokolade nur bei lebensgefährlichen Mengen und in niedriger Einzeldosis einzusetzen. In einem Versuch mit neun gesunden Hunden stieg das Natrium nach einer Dosis Aktivkohle mit Sorbit an, und die Hunde verloren Gewicht. Ein Fallbericht von 2025 beschreibt eine Corgi-Hündin mit 88,3 mg/kg Theobromin, deren Natriumwert nach Aktivkohle auf 174 mmol/l stieg. Sie bekam Krampfanfälle, blieb 57 Stunden in der Klinik und hatte noch zehn Monate lang Gleichgewichtsstörungen. In einer Auswertung von 96 Hunden mit verschiedenen Giften entwickelte dagegen kein Hund nach einer Einzeldosis zu viel Natrium.
Überwachung und Behandlung. Hunde mit Symptomen bekommen eine Infusion. Sie stützt den Kreislauf und beschleunigt die Ausscheidung über die Niere. Die Praxis überwacht das Herz per EKG, gleicht Blutsalze aus, kühlt bei Überhitzung und behandelt Erbrechen, Zittern, Krämpfe und Rhythmusstörungen mit Medikamenten. In der Berliner Studie bekamen die 44 Hunde mit Symptomen Apomorphin, Aktivkohle, Infusionen, den Betablocker Esmolol, eine forcierte Harnausscheidung und Beruhigungsmittel, je nach Befund. 43 von ihnen überlebten.
Häufigkeit und Feiertage An Weihnachten 4,7-fache Chance auf einen Schokoladenfall
Die größte Auswertung stammt aus Großbritannien. Das Netzwerk SAVSNET hat 2,7 Millionen Behandlungsnotizen aus 229 Tierarztpraxen von November 2012 bis Mai 2017 durchsucht. Die Studie im Veterinary Record fand 386 Schokoladenfälle bei 375 Hunden. In der Zeit von einer Woche vor bis zwei Wochen nach Weihnachten lag die Chance auf einen Schokoladenfall beim 4,7-Fachen des übrigen Jahres, an Ostern beim 2,0-Fachen. Valentinstag und Halloween hoben sich nicht ab. Hunde ab acht Jahren kamen seltener als Hunde unter vier, eine Risikorasse fand die Studie nicht.
Die Fundstücke passen zum Kalender: Tafeln und Pralinenschachteln (35 Fälle), Ostereier (31), Schokoladenkuchen (22), Schokohasen, Nikoläuse, Adventskalender und Christbaumschmuck (10), Likörpralinen (5). Ein Hund fand die Ostereier, die für eine Kinderparty im Garten versteckt waren.
Die britischen Fälle verliefen mild. Ein Viertel der Hunde kam innerhalb einer Stunde in die Praxis, gut die Hälfte innerhalb von sechs Stunden. 17 Prozent erbrachen, 3 Prozent zeigten Unruhe, Krampfanfälle kamen nicht vor, und keines der Symptome galt als lebensbedrohlich. Bei 41 Prozent der Fälle mit berechenbarer Dosis lag diese unter 20 mg/kg. In Berlin überlebten 43 von 44 Hunden mit Symptomen. Die Autoren nennen die Prognose nach Behandlung gut, mit einer Sterblichkeit unter 3 Prozent.
Andere Gifte im Süßkram Xylit und Rosinen haben eigene Beiträge
Schokolade kommt selten allein. In der britischen Studie hatten drei Hunde zusätzlich Rosinen gefressen. Trauben und Rosinen können ein akutes Nierenversagen auslösen, die Mengen stehen in Welches Obst und Gemüse darf mein Hund? Bei zuckerfreier Schokolade und Bonbons prüfst du die Zutatenliste auf Xylit (E 967); schon kleine Mengen senken beim Hund den Blutzucker, Details im selben Beitrag und bei der Erdnussbutter in Snacks, die Hunde lieben. Für Köder draußen gilt Giftköder: erkennen und handeln.
Vorbeugen: die typischen Fundorte
- Adventskalender und Christbaumschmuck hängen in Schnauzenhöhe. Häng sie höher oder ersetze sie im Hundehaushalt.
- Geschenke unter dem Baum riechen durchs Papier. Pralinen gehören in einen geschlossenen Schrank.
- Ostereier im Garten zählst du vor und nach der Suche, bevor der Hund hinausdarf.
- Kakaopulver und Backschokolade stehen im Vorratsschrank; wenige Gramm reichen für einen kleinen Hund.
- Kuchen und Brownies nicht auf dem Couchtisch abkühlen lassen.
- Kakaoschalen-Mulch meidest du im Garten, wenn der Hund Beete durchwühlt.
- Handtaschen und Jackentaschen von Gästen hängen an der Garderobe außer Reichweite.